Inventare Teil 5. Band 7. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Belgien, von Oskar Schmid

I. Einleitung — II. Niederländische Urkunden. 83 geschlossen erscheint. Die übrigen uns zur Verfügung stehenden Reperto­rien sind jüngeren Datums, bieten kein Bild der ursprünglichen Zusammen­setzung und lassen daher auch keine Rückschlüsse auf die einstige Ur­kundenverwahrung zu. Sie wurden vielmehr ohne Rücksicht auf Provenienz in verhältnismäßig später Zeit einfach nach vorliegendem, meist ungeord­netem Material zusammengestellt. Den vorgenannten Repertorien zufolge treten uns in der älteren Zeit zunächst zwei Archive entgegen. Das eine (Rep. PC 75, alte Signatur PC 446) erscheint uns nur deshalb interessant, weil hier ein ursprüngliches Inventar erhalten geblieben ist. Äußerlich betrachtet stellt dieses letztere einen sehr gut erhaltenen Pergamentband dar mit 400 Pergamentblättern 25 :30, der ein „Inventaire de la Trésorerie des Chartres de Flandre ä Rupelmonde et plus tard au chateau de Gand“ umfaßt. Angefügt sind Abschriften von einigen Ordon­nanzen, Vollmachten und Übernahmsbestätigungen aus den Jahren 1515, 1549, 1552, 1594 und 1595 über Transport und Verwahrung dieses Archivs. In kurzen Zügen ist darüber folgendes zu bemerken: Im Februar des Jahres 1387 wurden Pierre Blanchet, Rat und maitre des requestes de l’hötel, und Thery Gherbode, Sekretär des Herzogs von Burgund, Grafen von Flandern und Artois, in die Trésorerie von Rupelmonde in Ostflandern befohlen, um ein Inventar der dort verwahrten Archivalien herzustellen, worauf in den unmittelbar folgenden Jahren das vorliegende Inventar föl. I—CCXXXII entstand. Zu Beginn wird eine Übersicht der Archiv­bestände gegeben, aus der zu ersehen ist, daß sie in 13 mit römischen Zah­len numerierten Schränken und in jedem Schrank wieder in Laden'(die Anzahl derselben in den einzelnen Kästen schwankt zwischen 6 und 20), die mit bildlichen Darstellungen versehen waren (Sonne, Mond, Panzerhemd, Fisch, Feuerbock, Armbrust, Horn, Turm usw.), in Betreffe und Gruppen unter­geteilt wurden. In weiterer Folge wird dann eine eingehendere Inhalts­angabe der einzelnen Laden gebracht. Innerhalb der Laden scheinen die Stücke chronologisch gegliedert worden zu sein. Auf Grund dieses Inven­tars eine Nachprüfung der heute noch vorhandenen spärlichen Reste vor­zunehmen, dürfte erheblich schwierig und zeitraubend sein, könnte aber vielleicht doch den Versuch lohnen. Aus der jedenfalls zu Ende des 16. Jahrhunderts angefügten Einleitung mit Kopien von Ordonnanzen, Vollmachten usw. wird ersichtlich, daß dieses Rupelmonder Archiv zwischen 18. und 22. Sept. 1515 auf Veranlassung Philipp Hanetons von Jean Caulier und Anthoine de Matemer (Conseillers et maistres des requestes) aus Brüssel einer Revision und Prüfung unter­zogen, das Fehlende kommissioneil vermerkt wurde. Eine weitere Revision vollzog sich dann im Jahre 1524. Als in den Neunzigerjahren des 16. Jahr­hunderts während des Krieges mit den Vereinigten Provinzen Unruhen in Rupelmonde ausbrachen, wurde das ganze Archiv kraft einer königlichen Ordonnanz vom 30. März 1594 im darauffolgenden Jahr auf die Burg von Gent gebracht. Ein zweiter Teil des vorliegenden Bandes (161 Folien) besteht aus einem Inventar flandrischer Urkunden, die seit der Repertorisierung vom 6*

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