Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)
Die Handschriftenabteilung von Fritz Antonius
IT./7. Jankovich — Kinsky. 261 aus lobwürdigem Diensteyffer angezeiget und auszuhändigen anerbothen worden.“ Genauer erfahren wir den Zeitpunkt dieser Erwerbung aus einer Note Rosenthals von 1755, der sich dort ebenfalls über die aus der Reichskanzlei anzusprechenden Westfälischen Friedensakten äußert und fortfährt: Bezüglich letzterer habe er „zwar für das geh. Hausarchiv zwei glückliche Entdeckungen gemacht, indem er nicht allein schon anno 1749 (wie es Ihro kay. königl. May. selbsten und dem Freyherrn von Koch be- wust ist) die nach weyland Grafen Ulrich Kinsky sehl. in seiner Erben Händen verbliebenen Acta Publica und darunter insonderheit das Proto- collum Volmarianum Monasteriense in dreyen Voluminibus wieder herbey- gebracht“ ... Auch von den Nymwegischen Friedensakten waren „unter den vorgedachten Graf Kinskyschen Schriften neun Volumina“. Nach dieser letzteren Äußerung Rosenthals scheint es zwar, daß auch von den übrigen „Kinskyschen Manuskripten“ ein Teil schon 1749 ins StA. gelangt sei, doch können wir diese Frage vorläufig nicht entscheiden.1 Es ist jedenfalls sicher, daß wir mit jenen Handschriften, die durch Äußeres oder Inhalt ihr Herkommen von der Familie Kinsky verraten, nicht alles erfaßt haben, was im Herbst 1756 eingeliefert worden ist. Zur Zeit läßt sich nur soviel nachweisen, daß am 25. Okt. 1756 ein Hofdekret erfloß, das die Übertragung der „bei dem Grafen von Stella depositirt gewesenen alt Graf Kinskyschen Staatsschriften in das Hausarchiv“ anordnete, und daß diese Schriften noch im selben Jahre tatsächlich dort übernommen worden sind.2 Zweifellos als Kinskysche Manuskripte sind vorläufig folgende Handschriften zu erkennen: 1. Die schon erwähnten 3 Bände Münsterer und 9 Bände Nymwegener Friedensakten. Sie sind, wie gesagt, Provenienz Reichskanzlei und wurden, wie es scheint, schon frühzeitig von den übrigen Kinskyschen Manuskripten getrennt und den Friedensakten eingereiht. Das alte, 1811 begonnene Handschriftenrepertorium (AB. 446) verzeichnet sie nicht mehr und sie finden sich heute in den Faszikeln 89 ff., bzw. 111 ff. der Friedensakten (I 351, 353). 2. Hs. Böhm 750, Diarium des Grafen Franz Ulrich Kinsky von seiner Mission in Polen 1663—1668; Sig. Kinsky 378. 3. Hs. Böhm 970/1—3, Lettere del Signor Card. Mazzarino 1648-—1650, 3 Bände; Sig. Kinsky 319, 389, 395. 4. Hs. Suppl. 1007, Franz Ferd. Graf Kinsky, „Negotiatio Romana“ 1721. Die von Winter (a. a. O.) außerdem noch angeführten „schwedischen Korrespondenzen“ und „ungarischen Landtagsschriften“ sind vorläufig nicht feststellbar. Ebensowenig die Handschrift Österreich 200, ein Protokoll des Grafen Kinsky über verschiedene diplomatische Verhandlungen der Jahre 1696/97. Laut Eintrag im Repertorium AB. 446 S. 89 sollte der * S. 1 Das Geschäftsstück der Reg. des StA. 8/1756, mit dem die restlichen Kinskyschen Manuskripte übernommen worden sind, ist leider in Verstoß geraten. Wir sind daher für das weitere auf die knappen Eintragungen im Index der Reg. des StA. und auf die ebenso knappe Darstellung bei Winter, Die Gründung des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, S. 50, Anm. 3, dem der Akt noch vorlag, angewiesen. s Index zur Reg. des StA. Bd. 1, S. 385.