Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Die Handschriftenabteilung von Fritz Antonius

II./7. Hofbibliothek. 257 lieh der Obersthofmeister Fürst Trauttmansdorff das Verlangen Hormayrs nach Auslieferung der in der Hofbihliothek verwahrten Klosterurkunden mit der Forderung beantwortet, daß die im Jahre 1750 an das StA. abge­gebenen Codices an die Hofbibliothek zurückgestellt werden sollten. Man verlangte seitens des Archivs zunächst die Vorlage der Rezepisse, bezeich­nte im übrigen die ganze Sache als höchst unwahrscheinlich, da das Ar­chiv „bekanntlich erst 1752 zusammen mit der Staatskanzlei gegründet worden“ sei (sic!). Nun erklärte sich Fürst Trauttmansdorff deutlicher und forderte neuerlich, „daß die nach Angabe des verstorbenen Hofbibliotheks- Kustos von Kollár im Jahre 1749 durch den damaligen Bibliothekar Niko­laus Forlosia ohne zureichende Gründe an das Geheime Hausarchiv abge­gebenen 48 Stück handschriftlicher Codices verschiedenen Inhalts“ an die Hofbibliothek zurückgestellt werden sollten. Die Antwort Hormayrs führte jetzt aus, daß die Rückgabe der 48 Handschriften oder Diplome des Hof­rates Kollár (sic!) deshalb noch nicht erfolgt sei, weil sie seitens der Hof­bibliothek noch niemals verlangt oder spezifiziert worden, noch weniger ein Rezepisse oder dergleichen vorgelegt worden sei. Auf Grund der bloßen Angabe, es seien 48 Handschriften ausgeliefert worden, sei ihr Heraus­suchen im Archiv unmöglich. Eine Konsignation von 25 Stück sei in der Eingabe zwar erwähnt, aber nicht hergelangt. Nach ihrem Einlangen werde man die Handschriften unverweilt zu ermitteln suchen und ausscheiden. Eine neuerliche Reklamation der Hofbibliothek unter näherer Bezeichnung von 25 der 48 ausgelieferten Bände wurde dahin beantwortet, daß man hoffe, bei der im Zuge befindlichen Revision der Archivalakten wenigstens einen Teil der fraglichen Bände aufzufmden. In der Tat wurde wenig später die Hofbibliothek seitens der Archiv­direktion in Kenntnis gesetzt, daß man zwar bei der neuerlichen Revision der Archivalakten und Manuskripte keine Spur der reklamierten 48 Bände gefunden habe. „Inzwischen habe man bei dieser Revision nachfolgende (28) Handschriften aufgefunden, die ihrem Inhalte nach für die k. k. Hof­bibliothek gänzlich geeignet seien und die ihr auch nur einen Augenblick vorzuenthalten man diesseits für höchst zweckwidrig ansehen würde.“ Interessanterweise erscheinen nun in der Liste der abzutretenden 28 Bände — mit der wir uns später noch zu beschäftigen haben werden — trotzdem drei der 1749 übernommenen Codices, und zwar 665 und 672 hist. prof. und 305 philol., über deren Provenienz sich heute nichts mehr sagen läßt. Die Rückgabe dieser Bände an die Hofbibliothek erfolgte am 8. Okt. 1812. Im Jahre 1829 wurde dann seitens der Hofbibliothek neuerlich wegen der im Jahre 1749 abgetretenen Manuskripte angefragt und nun auch das damalige Auslieferungsverzeichnis vorgelegt. Es konnten jedoch „bei ge­nauer Nachsuchung im k. k. geheimen Staatsarchiv“ von den 45 Nummern nur 23 aufgefunden werden. Über den weiteren Verlauf der Angelegenheit schweigen die Akten und da von den oben bereits erwähnten nicht auf­findbaren, bzw. den später nach Innsbruck und an die Tschechoslowakische Republik abgegebenen Bänden abgesehen1 alle Einheiten heute tatsächlich * S. 1 Vgl. über die nicht auffindbaren Bände oben S. 255; über die ausgelieferten oben S. 256; über den niemals ins StA. gelangten Codex ebenda, Anm. 3. Inventare des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs, Bd. 6. 17

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