Inventare Teil 5. Band 5. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1937)
Kabinettsarchiv von Fritz von Reinöhl
246 Kabinettsarchiv. Aufbewahrung gegeben worden war,1 Peusquens’ Vorschlag, ihn dem StA. zuzuweisen, somit nicht durchgedrungen war. Hiemit stimmt auch überein, daß das Inventar des aus dem Staatsratsarchiv hervorgegangenen Kabinettsarchivs von 1850 „Lacische Militärakten“ 1774—1800 in 352 Faszikel samt 8 Bänden Register und mehreren Paketen2 und ein Inventar des Reichsratsarchivs, in welches die Registratur des Staatsrates aufgegangen war, unter den Militaria dieses Archivs „Lacische Militärakten von 1 bis 352, Schriften 21 Packe“ aufweist.3 Wir wissen, daß das Reichsratsarchiv in weiterer Folge in das Archiv des sogenannten jüngeren Staatsrates übergegangen war. Bei einer in den Jahren 1865 und 1866 vorgenommenen Sichtung der Bibliothek des staatsrätlichen. Archivs wurden in dieser unter anderen Archivalien auch Handschreiben und Briefe Maria Theresias, Josefs II. und Leopolds II. an Lacy sowie Schreiben von ihm an Maria Theresia und Josef II., Briefe der Erzherzoge Ferdinand und Karl, des Herzogs Albrecht von Sachsen-Teschen und des Marschalls Daun an Lacy, insgesamt über 400 Stück, gefunden.1 Sie entstammen den obgenannten, der staatsrätlichen Registratur zur Aufbewahrung übergebenen 21 Päcken. Am 18. Aug. 1866 lieferte sie der Staatsrat an das StA. ab,1 wo die Briefe Dauns an Lacy der „Großen Korrespondenz“,5 alle anderen aber bis auf einen kleinen, noch näher zu bezeichnenden Teil dem im gleichen Jahre übernommenen Handarchiv Kaiser Franz’ einverleibt wurden.6 Einen kleinen Teil dieser Schriften, die Handschreiben Maria Theresias an Lacy und Schreiben dieses an die Kaiserin aus den Jahren 1766—1780, scheint Arneth zu eigenem Gebrauch aufbewahrt zu haben; später wurden sie bei den noch zu erwähnenden Lacyakten des Hausarchivs hinterlegt und 1928 wieder mit Lacys Nachlaß vereint.7 Nach der Verfolgung der Geschicke dieser Sprengstücke müssen wir uns wieder dem Hauptteil des Nachlasses zuwenden. Dieser kam mit dem staatsrätlichen Archiv 1868 an die Kabinettskanzlei, bzw. in das neu errichtete Kabinettsarchiv. Hier wurden 1875 die 352 Faszikel gesichtet und eine neue Faszikulierung sowie eine Renovierung der Indizes vorgenommen.8 Der Direktor des Kabinettsarchivs Fischer eröffnete die bis dahin versiegelten Päcke, als deren Zahl er 23 statt wie bisher 21 nennt, ordnete die darin verwahrten Schriften sachlich und legte hiezu ein Verzeichnis an.9 Bei dieser Arbeit fand er auch Akten des Maria Theresien-Ordens, dessen Kanzler Lacy bis zu seinem Tode war; sie wurden ausgeschieden und am 8. März 1875 der Kanzlei des Ordens übergeben.10 1876 erhielt das Kabinettsarchiv, wohl aus der Kabinettskanzlei, noch einen dem Nachlaß Lacys entstammenden Faszikel, welcher 1 Beilage zu einem Konzept eines Briefes Peusquens’ an Kabinettsdirektor Anton Martin vom 1. März 1829 OAKA. B. II., Lacy. * OAKA. B. I. Nr. 9. 8 OAKA. B. I. Nr. 2. 4 Staatsrat Präs. ZI. 86/1866. 5 Von hier wurden sie später in Fasz. 416 der Kriegsakten übertragen. Vgl. Bd. I S. 600. • Heute Sammelbände des Familienarchivs Bd. 86, 96. Siehe S. 27 f. ’ Eingeteilt in Fasz. Ill Nr. 1. 8 Kabinettsarchiv Direktionsakt 78/1875. 9 Ebenda; Fasz. II hat Fischer nicht verzeichnet. 10 Kabinettsarchiv Direktionsakt ad 41/1874. Schon 1874 hatte Fischer Akten dieses Ordens aus den Jahren 1757—1763 aufgefunden, die nach seiner Meinung dem Nachlasse des Marschalls entstammten; auch sie wurden der Ordenskanzlei übergeben. A. a. O., wo auch Verzeichnisse, siehe auch S. 272.