Inventare Teil 5. Band 4. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1936)

Staatskanzlei (Ministerium des Äussern) von Josef Karl Mayr

412 Extrakte für den Kaiser. Die Staatskanzleiextrakte sind Auszüge des Aktenein- und -auslaufes, die dem Kaiser zur Information regelmäßig vorgelegt zu werden pflegten. Sie sind meist nach Tagen zusammengestellt und regestenartig gearbeitet. Zuweilen finden sich auch die Konzepte der Begleitschreiben vor, desglei­chen solche von Zirkularen und Empfehlungsschreiben (Fürschriften). Der Bestand stellt offenbar den Aktenniederschlag der nebenamtlichen Tätig­keit des Staatskanzleiregistrators dar, der — so 1766 — „aus den ein­laufenden Correspondenzien, Noten und anderen Briefschaften die Ex­tractus zu verfertigen“ und auch die Zirkulare und andere einfache Akten­stücke zu bearbeiten hatte. Schon 1749 erwähnt ein Dekret für den Regi­stratursadjunkten Otto Rainer Kesaer, den Stammvater einer mehr als hundert Jahre in der Staatskanzlei dienenden Beamtenfamilie, die „von ihm mühsam verfaßten Extractus derer Relationen und Briefen“ (Staats­kanzlei, Personalia 10). 1809 sind die Extrakte zum Teil von den Franzosen nach Paris ver­schleppt worden; was geflüchtet werden konnte, ist in Staatskanzlei, In­teriora 45 summarisch verzeichnet. Nach der Rücklieferung wurden sie zusammen mit den in der alten Registratur verbliebenen Teilen dort neuerdings verwahrt. Einzelne unzusammenhängende Partien (1787—1798) sind dem StA. schon 1829 zugekommen, das Gros (bis 1806) folgte 1851 und später nach (Filiale A). In den Fünfzigerjahren von Klinkowström und Rosenauer verwaltet, ist der Bestand 1868 aus der alten Registratur nochmals bereichert worden (Filiale B). Bestände: Fz. 1, 2 aus dem auswärtigen Departement der Hof­kanzlei 1721—1731; 3—40 aus der Staatskanzlei 1755—1814 (später scheint Kaiser Franz die Vorlage solcher Extrakte nicht mehr verlangt zu haben).1 Frankfurt (Stadt und Bundestag). Die Frankfurter Akten der Staatskanzlei enthalten in der Hauptsache die diplomatische Korrespondenz mit den österreichischen Gesandtschaften dortselbst (Freie Stadt Frankfurt und Deutscher Bundestag), insoweit sie nicht ihrem besonderen Inhalt entsprechend vom deutschen Bureau be­arbeitet und daher den Deutschen Akten (siehe diese) einverleibt wor­den sind. Nach der Flüchtung von 18091 2 sind 1829 zum erstenmal einige wenige unzusammenhängende Aktenstücke (bis 1805) aus der alten Registratur der Staatskanzlei ins StA. gelangt, die Bitermann 1850/51 in der Filiale B in Ordnung gebracht hat. 1851 kamen die Akten bis 1806 hinzu (Filiale A). 1863 übernahm das StA. von der Obersten Rechnungskontrollbehörde in Wien die Akten des österreichischen Vertreters bei der Frankfurter Liqui­dierungshofkommission (betreffend Verpflegung und Kriegslieferungen) von 1814—18193 samt den dazugehörigen Kanzleibehelfen (Filiale B). Staatskanzlei (Ministerium des Äußern). 1 AB. 33/16 (Thomayr). 2 Ein summarisches Verzeichnis hierüber in StK., Interiora 45. 3 Nachträge bis 1834.

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