J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

auch diese die Annahme, dann sollten die fremditalienischen, nach Mittel­und Nordfrankreich laufenden Briefe in den lombardischen Postämtern über­stempelt und, mit den Inlandbriefen vermischt, neuerdings zur Aufgabe ge­bracht werden78). Über diesen Vorbereitungen ist die Julirevolution ausge­brochen. Noch war es aber wenige Tage vorher zwischen dem französischen Ministerpräsidenten Fürst Polignac und dem österreichischen Botschafter zu einer erregten Auseinandersetzung gekommen, in der dieser von Frankreichs feindseliger Flaltung, vom Ausbruche eines Postkrieges, von Gegenwehr, Ver­geltungsmaßregeln u. a. gesprochen hat79). Aber unerachtet der Tendenz, aus der Postfrage eine allgemeine italienische Streitfrage zu machen, die Metternich dem französischen Ministerium zuschrieb, hat er doch zur selben Zeit schon an ein Einlenken gedacht. Er wollte retten, was noch zu retten war und Österreich nicht zum „Ziel der Gehässigkeit“ machen 80). Die Pariser Verhandlungen waren auf beiden Seiten von eifrigen "Wer­bungen bei den fremditalienischen Staaten begleitet80a). Der französisch­englische Druck, unter dem Toskana nun schon seit Jahren stand, die Unsicherheit auch, die es — selbst insgeheim von Befreiungsgelüsten erfüllt — in Paris an den Tag legte, der Brief Schmuggel endlich, der auf der Poststraße Florenz—Genua dank der heimlichen Unterstützung durch die österreich­feindlichen Postbeamten (S. 18) blühte, bewogen Metternich zu verdoppelten Bemühungen um die Gefolgschaft des toskanischen Hofes und im besonderen um die Gunst des österreichischen Parteigängers Pistoj, der erst im toskani­schen Außendienste, dann aber als Chef des toskanischen Postwesens tätig war81). Schon 1825 hatte Metternich Toskana zu erneuten Schritten in Paris — dem einzigen Platze, an dem es nicht durch Österreich vertreten war — ermuntern lassen. Nun wiederholte er sein Begehren nach „kräftigsten Vor­stellungen“82) und nahm die „aufrichtige Mitwirkung“ Toskanas mit war­men Dankesworten und der an Frankreich gerichteten Drohung vorweg, daß Toskana die Hüninger Postsperre mit ähnlichen Beeinträchtigungen der fran­zösischen Italienkorrespondenz beantworten werde83). Uber allen diesen Be­mühungen um die Festigkeit des toskanischen Hofes aber, die ihm diesmal von entscheidender Wichtigkeit zu sein schien, und über allen Sekundanten­diensten, die er Toskana, mehr als diesem lieb sein mochte, gegen seine Be­dränger leistete, vergaß Metternich doch der Vorsichtsmaßregel nicht, alles zu vermeiden, was Toskana mit dem Odium einer ihm österreichischerseits auferlegten Verbindlichkeit belasten konnte84). Niemals durfte es sich, wenn es den römischen, nach Genua instradierten Kabinettskurieren den Durchzug verbot oder wenn es sich den sardinischen Werbungen um eine weitere Be­schleunigung seiner Postkurse versagte, dabei ausschließlich auf die Verpflich­tungen seines österreichischen Postvertrages berufen. So groß war die Be­7S) Berichte Liliens 30 YII 25, 27 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 79) Bericht aus Paris 30 VII 12 Frankreich 391. **) Weisungen nach Florenz 30 VII 18, 21 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 80a) Vgl. hiezu und zum folgenden C. Vidal, Louis-Philippe, Metternich et la crise Italienne 1831/32. 81) Weisung nach Florenz 24 I 13, Berichte aus Florenz 24 III 11, 23 Toskana, adm. Reg. Postwesen. sa) Weisung nach Florenz 30 VI 26 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 83) Weisung nach Florenz 30 V 4 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 81) Weisung nach Florenz 30 VII 16 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 92

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