J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

tober 1822 hat er in Chur mit Zürich und Graubünden den dritten Wochen­postkurs Mailand—Zürich—Hüningen abgeschlossen, der statt über den un­sicheren St. Gotthard über den gangbareren Splügen geleitet wurde7). Die Rolle, die die Hüninger Linie während der Pariser Postverhandlun­gen der Jahre 1824/25 (S. 88 ff.) spielte, hat die Aufmerksamkeit der öster­reichischen Regierung wieder auf sie gelenkt. Nun schien nach kaum zwei Jahren von einer neuerlichen, aufs äußerste getriebenen Beschleunigung der Hüninger Postlinie die österreichische Vormachtstellung im italienischen Post­wesen abzuhängen. Und wieder wurde nun Peter nach der Hüninger Post­route entsendet, deren Geschwindigkeit er durch besondere Abkommen mit den von ihr durchlaufenen Schweizer Kantonen noch weiter zu steigern hatte8). Neben den Schweizer Transitkantonen rückten aber nun auch schon die neuen binnenösterreichischen Postlinien über das Stilfser Joch und das Reschenscheideck mehr und mehr in das Feld dieser postpolitischen Interessen. Denn selbst auf dieser doch viel östlicher gelegenen Linie machte die Post­verbindung Mailand—Paris nur um wenige Meilen mehr als auf der Post­straße Turin—Paris aus. Schon im Frühjahr 1824 war die Poststraße Mai­land—Bormio—Mals so weit ausgebaut, daß sie von Postreitern passiert werden konnte, die dann über Mals und Landeck den Anschluß an das Bre­genzer Grenzpostamt gewannen. Im Juli 1825 hat Metternich das Stilfser Joch schon mit seinem Reisewagen befahren können, ein Ereignis, das er im „österreichischen Beobachter“ vom 4. August beschrieben hat. b) Gewinnung Fremditaliens. Ebenso wie auf die Beschleunigung der Hüninger Linie war Österreich im Sinne seines zweiten sardinischen Postvertrages (S. 77) auf die Gewin­nung der gesamten fremditalienischen, nach Mittel- und Nordfrankreich be­stimmten Korrespondenz bedacht. Bei Parma und Modena, den vertraglich festgelegten habsburgischen Nebenländern, verstand sich die postpolitische Gefolgschaft von selbst. Den Legationen und Marken war sie aufgenötigt worden. Schwieriger lagen die Dinge bei Toskana, dem Vorwerke der sardinischen Einflußsphäre. Nun liefen aber die Postverträge, die Toskana 1817 mit Österreich und Sardinien geschlossen hatte, eben ab und boten so­mit Metternich eine willkommene Gelegenheit, die Nachteile der toskanisch- sardinischen Postkonvention zu beseitigen und die toskanisch-österreichische derart zu verbessern, daß Toskana auf das Abhängigkeitsverhältnis Parmas herabgedrückt wurde. Selbst die Hofkammer stellte diesem Ziele das finan­zielle Interesse nach. Das schien auch insoferne geboten, als die Florentiner Postloge, der Preis der Sonderstellung Toskanas von 1817, ihren geheimen Verpflichtungen nur ungenügend nachkam. In der Tat waren die Bindungen, die Lilien Toskana in der für Peter, den Experten des Florentiner Gesandten Grafen Bombelles, ausgearbeiteten Instruktion zudachte, überaus einschneidend. Fremde Transitpakete durften Toskana nicht mehr geschlossen passieren9). Es hatte seine mittel- und nord­7) Urkunden (Bittner n. 2195). 8) Zusatzprotokolle mit Zürich, Aarau, Basel und St. Gallen 24 VII 31, VIII 14, 24 Urkunden (Bittner nn. 2233, 2236, 2238). 9) Weisung nach Florenz 22 IV 20 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 78

Next

/
Oldalképek
Tartalom