J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - B. Der Postkrieg gegen Bayern

der übrige Postbezirk aber konnte unter österreichischer Mithilfe — wenn­gleich nicht ohne Widerstand, namentlich von Seite der vier Freien Städte — als „Prüfstein der Nationalkultur“ erhalten, durch den Wiener Kongreß ge­nehmigt20) und auf dieser Grundlage befestigt und erweitert werden. Damit war die möglichste Annäherung an die Postverhältnisse des alten Reiches her­gestellt und Österreich in die Lage versetzt, die Verbindungen mit den Fürsten vonThurn und Taxis — den „Raubvögeln“, wie sie Flormayr nannte, die nun wieder Fuß faßten — aufs neue zu knüpfen21). Im Mai 1817 hat Lilien in Wien den ersten Postvertrag mit ihnen abgeschlossen22). Mit Frankfurt verbanden den Kaiserstaat mehrere Postkurse, von denen die Linie Frankfurt—Linz, Wien und Prag auf dem Thurn und Taxissch- bayrischen Postvertrage von 1815 beruhte, der den alten Posttransit durch Bayern erneuerte und damit Liliens Postsystem gefährdete23). Wohl nahm dieser an der Eigenmächtigkeit der Thurn und Taxisschen Postverwaltung Anstoß, mußte sich aber dem Drängen der Flofkammer fügen. Schon glaubte diese dem Frankfurter Postpaket den gesamten Korrespondenzwechsel mit Nordwestdeutschland, den Niederlanden und England anvertrauen zu kön­nen, als ein heftiger Zwist zwischen Bayern und Thurn und Taxis und neue Verstimmungen zwischen Österreich und Bayern daraus erwuchsen. Denn die Tatsache, daß Bayern die Frankfurter Postpakete in Nürnberg eröffnen und ihnen alle von ihm selbst beanspruchten Korrespondenzstücke entnehmen ließ24), setzte den Inhalt derselben alsbald auf die lokale Korrespondenz herab. Und je mehr sich Österreich bemühte, diesem unwürdigen Zustande durch einen Bayern beiseite setzenden, allgemeinen Postvertrag mit Thurn und Taxis abzuhelfen, um so mehr gerieten darüber diese in Streit. Bayern drohte mit Schadenersatzansprüchen und Thurn und Taxis schwankte unschlüssig zwischen den österreichischen Anträgen und der bayrischen Ungnade hin und her. Nach Süden hin stand Frankfurt mit Bregenz und Mailand in unmittel­barer Postverbindung. Die Mailänder Korrespondenzen nach Norddeutsch­land, den Niederlanden, nach England und den nordischen Ländern waren bis zur Französischen Revolution über Frankfurt instradiert und schon 1806 war der direkte Postverkehr Mailand—Frankfurt wieder aufgenommen worden. Ihm wurde dann zehn Jahre später der Baden und Württemberg durch­querende Postkurs Bregenz—Frankfurt zur Seite gestellt, der sich bis nach Nordwestdeutschland, Holland und England hin erstreckte. Außer mit Frankfurt unterhielt Österreich auch mit den Reußischen Lan­den unmittelbare Postverbindungen. Eger und Asch auf der einen Seite und Schleiz auf der anderen waren die Hauptknotenpunkte derselben und Eger eines der wichtigsten Grenzpostämter der Monarchie. Die Verbindungslinie war heiß umstritten. Auch an diesem Frontabschnitte verstand es Bayern, seine Überlegenheit geltend zu machen. Es verständigte sich insgeheim mit Sachsen und zwang dadurch Österreich zur Einhaltung der alten Postlinie über das bayrische Hof25). Schließlich mußte sich aber Sachsen der öster­20) G. Görs 1. c. 25 f. 21) Lilien (Anm. 1 S. 45). 22) 17 V 25 Urkunden. 2a) Memoire Liliens 16 VII 30 Kleinere Betreffe 10. 24) Bemerkungen Liliens 17 X 7 Bayern, Varia 16. 25) Memoire Vrints-Berberichs 14 XII 10 Kongreßakten 14.

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