J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - A. Allgemeine Voraussetzungen:

damit auch dem in Verfall geratenen Geheimen Dienste auf geholfen werden konnte. Nicht weniger als fünfmal hat Metternich mit steigender Dringlichkeit Kaiser Franz diese Reformpläne vorgetragen, zum letzten Male im März 1818, genau fünf Jahre nach dem ersten Vortrage. Er hat sie nicht durchzu­setzen vermocht, wie er ja auch in manchen anderen Dingen an dem Eigen­sinne des Kaisers gescheitert ist. Fast zehn Jahre lang blieb Metternichs Haupt- vortrag in Franzens historischer Schreibtischlade liegen, und als ihn dieser im Februar 1826 wieder hervorholte, da geschah es lediglich zu dem Zwecke, ihn für den Zeitpunkt aufzuheben, wenn ein Generaldirektor ernannt sein werde 4). Zu Beginn von Metternichs Kanzlerschaft gab es in Österreich — von der Postbotenanstalt und dem Brancarddienste für Großfrachten abgesehen — zwei Postinstitute, die Briefpost für Brief- und Geldsendungen und die soge­nannte Postwagenfahrt für Reisende, Barschaften und Kleinfrachten. Erstere war infolge ihres schlechten Pferdematerials und ihrer trägen Postknechte nicht minder gefürchtet wie die Postwagenfahrt infolge ihrer Langsamkeit und Unbequemlichkeit. Diese Mißstände wurden zu Beginn der Zwanziger­jahre um so fühlbarer, je mehr sich die fremden Postanstalten — zumal jene Frankreichs, Sardiniens, Preußens, Rußlands und der Fürsten Thurn und Taxis — in der Vermehrung der Postverbindungen und der Beschleunigung der Postkurse zu überbieten suchten. Schon drohten die ausländischen Brief­posttransite der österreichischen Postverwaltung wieder verlorenzugehen. Unter diesem verstärkten Drucke hat sich die Hofkammer nach dem Muster des Auslandes sowohl zur Briefpostbeförderung durch die Postwagen als auch zum Transport von Reisenden durch die Briefpost entschlossen. Postwagen dieser Art verkehrten schon 1821 nach den Grenzorten der Schweiz, Bayerns, Sachsens und Preußens, während die Passagier-Briefposten gleich den „cour- riers de malle“ in Frankreich, England und Italien zunächst zwischen Mailand und Florenz in Verkehr gesetzt wurden5). Der günstige Erfolg der Probe­fahrten zwischen Wien, Prag und Triest beschleunigte die Einführung der Eilposten in der sogenannten Briefpostwagenanstalt, die die Reisenden in leichteren Wagen zwar etwas teuerer, aber rascher und bequemer beförderte und dem Korrespondenzverkehr größere Sicherheit gewährte. 1824 verkehr­ten die ersten „Eil- und Passagierwagen“ neben den alten „fahrenden ordi­nären Posten“ zwischen Wien und Brünn, Prag, Preßburg und Graz. Die endgültige Verbindung der Briefpostbeförderung mit der Eilpostfahrt ist 182$ vollzogen und diese zugleich bis Triest ausgedehnt worden. 1829 wurden auch die Ämter — die Direktion der fahrenden Posten und das Obersthofpostamt — zu einer Obersten Hofpostverwaltung vereinigt6). Naturgemäß konnten diese Reformen erst Platz greifen, nachdem bezüglich der Reisepässe der Passagiere, der Verhinderung der Briefschwärzungen, der Briefkontrolle durch die Postlogen u. a. m. volle Sicherheit gewonnen war. Von den Linien Wiens fuhr der ankommende Eilwagen mit Polizeibegleitung erst zum Posthause, dann zum Hauptzollamte. Das Postpaket hatte den Vorrang; solange es nicht „formiert oder umkartiert“ war, mußten die Reisenden warten und niemand durfte das Posthaus betreten. 4) Vortrag 17 XI 25 Vorträge 309. 5) Vortrag der Hofkammer 22 I 15 Finanzardiiv 247/FM aus 1822. 6) J. Bartl 1. c. 3 5 f. Mayr, Metternichs geheimer Briefdienst. 4 49

Next

/
Oldalképek
Tartalom