J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)
II. Die Postkurse - E. Der deutsche Postverein
richtung des preußischen Postverkehrs so wesentlich, daß es sich bei diesem um eine Sammlung aller seiner Postverordnungen und um eine Darstellung des preußischen Postsystems beworben hat2). Der Gedanke eines allgemeinen deutschen Postvereines ist von der österreichischen Hofkammer ausgegangen, die ihn nach dem Vorbilde des alten Reichspostwesens und des deutschen Zollvereins und wohl auch nach dem Muster der englischen Postreform von 18403) für ein wahres Bedürfnis der Nation hielt: Österreich war berufen, die Initiative zu ergreifen. Das Mittel hiezu erblickte die Hofkammer in der allgemeinen Annahme des in Österreich eben zur Durchführung gelangenden Grundsatzes eines einheitlichen, vorläufig noch zweigestuften Portosatzes, wodurch eine wesentliche Vereinfachung und Ermäßigung des Briefportos erzielt werden konnte. Bisher mußte nämlich im Auslandbriefverkehr der Aufgeber das Porto bis zur Grenze, der Empfänger das Transitporto und die Postgebühr seines Landes bezahlen. Nach dem neuen Grundsätze aber war der Aufgeber vom Frankierungszwange befreit und der Empfänger zur Tragung der gesamten, nun allerdings erheblich niedrigeren Portoauslagen verpflichtet4). Metternich hat den Standpunkt der Hofkammer grundsätzlich geteilt, wenn er auch angesichts der ihm fast unübersteiglich erscheinenden Schwierigkeiten nur ein schrittweises Vorgehen zunächst gegenüber Bayern und Sachsen empfahl; Preußen, ohnehin sicherlich ein Gegner dieser Ideen, sollte zunächst übergangen werden5). So ist Nell — als unpolitischer Hofkammerrat doppelt dazu geeignet — im Sommer 1842 zunächst nach München entsendet worden. Trotz des traditionellen Mißtrauens und der Eifersucht, auf die er dort stieß, ist es ihm doch gelungen, im Postvertrag vom 30. Juli 1842 6) den neuen Posttarif und damit den Postanschluß Bayerns an Österreich durchzusetzen. Am 18. Oktober 1842 hat sich auch Baden zum Grundsätze einer gemeinsamen Portotaxe bekannt7). Der dritte Staat, der am 28. November 1842 zu Leipzig für die Idee eines deutschen Postvereines gewonnen wurde, war Sachsen8). Schwieriger gestalteten sich Nells Frankfurter Verhandlungen mit T h u r n und Taxis. Besorgt verfolgte man dort unter dem Eindrücke preußischer Einflüsterungen die Verbreitung der niedrigen, von Österreich aufgestellten Tarifsätze. Schließlich hat doch die traditionelle Ergebenheit gegenüber dem Hause Österreich mehr als alle staatswirtschaftlichen, kommerziellen oder nationalen Momente zum Abschlüsse des Postvertrages vom 30. Jänner 1843 geführt, wodurch dem Postvereine weitere 21 deutsche Bundesstaaten angeschlossen wurden9). Viel entschiedener hat sich Preußen den österreichischen Plänen widersetzt, obwohl sie Nell schon im November 1842 dem Generalpostmeister Nagler in Berlin vertraulich auseinandergesetzt hatte. 2) Bericht aus Frankfurt 33 I 26 Frankfurt 60; Weisung nach Berlin 33 X 20 Preußen 165; B. C r o 1 e 1. c. 81 ff. 3) Fischer, Postwesen (Handwörterb. d. Staatswissensch. 6) 1089, 1106. 4) Noten von Hofkammer 41 XII j, 42 II 17 Notenwechsel 92, 93. 5) Noten an Hofkammer 42 I 5, IV 22 Notenwechsel 46; Metternichs nachgelassene Papiere 6, J94. 6) Urkunden (Bittner n. 2604); P. Danzer, Bayern u. d. Vereinheitlichg. d. Postwes. in Deutschld. 1815—66 (Arth. f. Postgesch. in Bayern 1926). 7) Polit. Gesetzessammlung 71, 12. 8) Urkunden (Bittner n. 2619). 9) Urkunden; Bericht aus Frankfurt 43 II 4 Frankfurt 80. Mayr, Metternichs geheimer Briefdienst. 8* 115