J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)
II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien
lieh der Krönungsfeier Kaiser Ferdinands in Mailand unmittelbar unterrichtet worden: „Tür und Riegel“ öffnete er mit jenem Abkommen dem Einflüsse Frankreichs und den Umtrieben der Revolutionsparteien. Flübner, Metternichs tüchtigste Feder, hatte das Promemoria entworfen, das er bei dieser Unterredung dem Großherzoge einhändigte39). Audi wird es Metternich diesem gewiß nicht verhehlt haben, wie sehr ihm das Bestreben Frankreichs mißfiel, unter verschiedenen Vorwänden — Sklavenbefreiungen, Dampfschiffahrtsverträgen u. a. m. — an die italienischen Staaten heranzukommen und sie zu Werkzeugen seiner Politik zu machen40). In der Tat hat der Großherzog im Frühjahr 1839 die Aufhebung der französischen Postagentie in Livorno, die das toskanische Postbüro dortselbst zum guten Teile schon verdrängt hatte, durchgesetzt. Seine diplomatische Korrespondenz mit den toskanischen Missionen allerdings hat Frankreich auch jetzt nicht aus der Pland gelassen. Das Seepostabkommen mit Frankreich hatte Pistoj nicht zu hintertreiben vermocht. Es war ihm auch nicht gelungen, es hinterher durch stillschweigende Beibehaltung des österreichischen Landpostweges nach der Türkei zu sabotieren 41). Um so besser aber glückte es ihm, den toskanisch-sardinischen Postvertrag vom Dezember 1838, an dem er unmittelbar beteiligt war, ganz in österreichischem Sinne zu gestalten, indem er die Absichten des sardinischen Unterhändlers Croletti, der Toskana unter der üblichen administrativen Verkleidung seiner politischen Pläne auf die Genueser Postlinie festlegen wollte (S. 9j f.), durch geschickte Stilisierung durchkreuzte. Und obwohl der Großherzog die Mitteilung dieses Vertrages an Österreich als einen Akt von Servilität ablehnte, ließ doch Pistoj, noch ehe der Vertrag sanktioniert war, dem österreichischen Legationssekretär Schnitzer mit Umgehung des österreichischen Gesandten eine Abschrift desselben zukommen42). Und wenn ihm auch einzelne Vertragsbestimmungen nicht ganz gefallen wollten, so hat ihn doch Metternich im ganzen mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Auch hat er sich bemüht, Pistoj, diesen noblen und loyalen Mann, der sich für das Wohl Österreichs ebenso aufopferte wie für das seiner neun Kinder, als Gegengewicht gegenüber der Belohnung, mit der ihn soeben Sardinien für den Postvertrag bedacht hatte, mit einer Sondergratifikation von 200 Dukaten und dem Eisernen Kronenorden zweiter Klasse auszuzeichnen43). Von dem Tage an, da sich Österreich teils durch den französischen Postvertrag von 1831, teils durch die Entwicklung der französischen Postdampfschiffahrt von dem endgültigen Verluste des fremditalienisch-französischen Korrespondenzverkehrs bedroht sah, gewann die Florentiner Postloge eine bisher ungeahnte Bedeutung. Sie war zwar schon im Jahre 1817 in österreichische Dienste gestellt worden, hatte aber diese bisher nur in unzureichendem Maße versehen. Nun schloß der österreichische Logist Bitermann im Juni 1832 einen neuen Postlogenvertrag mit Toskana ab, der die Verbindung mit der Geheimen Ziffernkanzlei in Wien regelte und ihre Leistungsfähigkeit so weit als möglich steigern sollte. Diesem Zwecke diente 39) Memoire 38 IX Toskana 43. 40) Bericht aus Florenz 39 I 29 Toskana 63. “) Bericht aus Florenz 38 VIII 7 (Anm. 36). 42) Bericht und Schreiben aus Florenz 38 XII 25 Toskana 63, 43. M) Vortrag 39 VI 14 Vorträge 426. 103