J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

Post- und Passagierverkehr verlangte. Als 1834 ein französisches Dampfschiff an der Küste Toskanas sdieiterte und ein englisches im Hafen von Neapel in Brand geriet, da begrüßte Graf Lebzeltern das Unheil, das diesen Revo­lutionsvehikeln widerfahren war, mit sichtlicher Freude. Mit dem Tage, an dem der französische Handelsminister der Kammer den Entwurf eines Gesetzes vorlegte, das zehn Dampfschiffe und einen Kredit von sechs Millionen Franken in den Dienst einer französischen Levantelinie stellte7), trat die Verwendung dieses neuen Verkehrsmittels in eine ent­scheidende Phase. Sofort ließ Metternich diese Pläne, die ihm auf die Vor­herrschaft im Mittelmeer und auf die Schädigung der österreichisch-türkischen Landpostverbindung (S. 101 f.) sowie des englischen Orienthandels abzuzielen schienen, so gut es ging, in französischen und englischen Zeitungen bekämpfen, und Klindworth, der eine Notiz dieser Art in das „Journal des Débats“ einrücken ließ8), kargte in dem Berichte, den er zur selben Zeit dem öster­reichischen Botschafter erstattete, nicht mit Hinweisen auf den politischen Grundcharakter der französischen Absichten, die die dauernde Umgehung des österreichischen Postweges und die Ausbreitung der Revolution über ganz Europa bezweckten9). Und als das Gesetz angenommen war und in Mar­seille mit der Verwirklichung desselben in großartigem Maßstabe längs der italienischen Westküste nach Malta und weiter über Syra nach Smyrna mit der Querlinie Athen—Syra—Alexandrien10) begonnen wurde, da ließ sich Metternich durch Kundschafter auch darüber näher unterrichten. Die Ver­spätungen, die die ersten im Mai 1837 in Verkehr gesetzten französischen Levantedampfer erlitten, schienen der Hofkammer einer Bekanntmachung durch in- und ausländische Zeitungen um so mehr zu bedürfen, als die fran­zösischen Dampfer neben der eigenen auch die englische Orientpost zu hohen Portosätzen und selbst dann beförderten, wenn die Aufgeber den Landweg über Wien vorschrieben11). Das konnte nun freilich nach Metternichs Mei­nung, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, nicht unmittelbar durch die öster­reichischen Botschaften in Paris und London geschehen, die Generalkonsulate aber wollte er gerne in den Dienst dieser Sache stellen12). Unterdessen ließ Frankreich an allen italienischen Höfen eine er­höhte postpolitische Propaganda entfalten, die auf den Abschluß von Seepostverträgen und im besonderen auf die Gleichstellung seiner Post­dampfer mit Kriegsschiffen abzielte, wodurch sie — „Amphibien“ nannte sie Lebzeltern — aller Hafengelder enthoben und eines unkontrollierten Per­sonen-, Brief- und Warentransportes teilhaftig wurden. Das ist Frankreich am römischen Hofe, so sehr sich auch dieser zunächst gegen die Dampfschiffe und die durch sie bewirkten Verkehrserleichterungen aussprach, nicht schwer gefallen. Die Abneigung gegen Österreich ließ alle Bedenken schwinden. Ein Postvertrag ist zwar noch nicht abgeschlossen worden, auch hat die Kurie weder auf den ganzen Korrespondenzverkehr noch auf dessen Vermittlung 7) Weisung nach Paris (Anm. 6); A. B e 11 o c 1. c. 461 f. 8) Weisung nach Paris 35 VI 18, Bericht aus Paris 35 VII 13 Frankreich 423, 421; Weisung nach London 35 VI 28 England 280. 9) Bericht aus Paris (Anm. 6). 10) A. Belloc 1. c. 461. u) Bericht aus Konstantinopel 37 VI 7 Türkei 8; Note von Hofkammer 37 VIII 9 Notenwechsel 84. 12) Note an Hofkammer 37 VIII 19 Notenwechsel 41. 98

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