Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)
VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 10. Registratoren der lateinischen Expedition
bei14). Am 2. Mai 1680 wurde er als lateinischer Registrator beeidigt. Damit war aber seine Karriere nicht abgeschlossen. Der Kurfürst ernannte ihn am 12. August 1685 zu seinem Hofrat und berief ihn zur Mainzer Gesandtschaft am Regensburger Reichstag 1B), von wo er dann auch zu den Friedensverhandlungen nach Nimwegen ging. Durch die Gunst des Erzkanzlers wurde ihm seine Stelle in Wien offen gehalten und während seiner Abwesenheit durch seinen Bruder Franz versehen 15). Bis zum 28. Juni 1689 blieb er beim Reichstag, dann kehrte er auf seine Registratorstelle nach Wien zurück 16), die er bis zu seinem Ableben am 14. Oktober 1712 innehatte 17). Bertrams Nachfolger wurde Johann Hermann Nőiden. Schon am 26. Dezember 1706 hatte der Erzkanzler Nőiden, der Sekretär beim Vizekanzler Königsegg gewesen war, zum Supernumerarius bei der lateinischen Registratur mit der Anwartschaft auf Bertrams Nachfolge ernannt. Am 2. Januar 1708 wurde er dann faktisch installiert. Einer vizekanzlerischen Verfügung vom 16. Oktober 1712 gemäß übernahm er mit diesem Datum die Funktionen des verstorbenen Bertram. Er diente bis zu seinem Tode am 13. Februar 1722 18). Nach Jodok Pein, der seit 1718 als Supernumerari-Registrator, vom 14. Februar 1722 bis 9. Dezember 1732 das Amt als wirklicher Registrator versah und dessen wir bereits bei den Konzipisten gedachten, folgte Franz Wilhelm von P r a n g h e. Er entstammte einer im Bistum Osnabrück ansässigen Familie. In den Hochstiftern Köln, Münster, Paderborn und Osnabrück hatten seine Vorfahren ansehnliche militärische und zivile Stellen bekleidet. Sein Vater hatte sich im spanischen Erbfolgekrieg ausgezeichnet19). Wie viele andere hatte auch er seine Laufbahn am 3. Mai 1723 als Supernumerari-Kanzlist begonnen und war am 21. August 1727 in die Stelle eines wirklichen Kanzlisten vorgerückt20). Schon 1731 hatte man ihn Pein adjungiert und am 6. Mai 1731 als Adjunkten des Registrators beeidet21). Wenige Tage, nachdem er wirklicher Registrator geworden, erhielt er am 16. Dezember 1732 vom Kaiser den Reichsritterstand19). Unter ihm wurden gegen die lateinische Registratur verschiedene Beschwerden vorgebracht. Mit Alpmannshoven zusammen wirkte er an der unter Karl VII. begonnenen Aktion zur Trennung der „österreichischen“ Akten von den Reichsakten mit22 23). Er starb am 29. Januar 1752 2S). Seiner beiden Nachfolger Andreas Xav. von Stock (1752 März 19—1766 August 6) und Raimund von Manner (1766 August 6—1788 September 26) wurde bereits weiter oben gedacht24). Dem letzteren folgte Johann Petri von Harten14) Eidbuch u. Mzer. R. K. 17: 1671 Dez. 31 Königsegg an Erzkzler. 16) R. K. Verf.A.4I. le) Ber. v. 26. Juni 1692, Nr. 75 i. Mzer. R. T. A. 290. 17) Eidbuch. 18) R. K. Verf. A. 41 u. Eidbuch. 19) Über die Familie vgl. Kneschke, Adelslexikon 7, 235 sowie die Angaben des Ritterstandsdiploms f. Pr. v. 16. Dez. 173z, R. Reg. Karl VI. Bd. 15, fol. 151. 20) R. K. Verf. A. 47. 21) R. K. Verf. A. 41. 22) Vgl. oben S. 297 f. 23) Eidbuch. 24) Vgl. oben S. 448 u. 436. 463