Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)
VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 10. Registratoren der lateinischen Expedition
Er selbst bezeichnet sich 1J70 als Amanuensis der lateinischen Expedition. Sein Nachfolger Johann M a n h a r t, auch M a i n h a r t geschrieben, wurde laut Taxbuch am x. Januar 1587 mit einem Gehalt von 300 fl. zum Registrator bestellt, auch er diente vorher in der lateinischen Expedition als Schreiber und war aus dem Dienste Herzog Wilhelms V. von Bayern, dessen Agent er gewesen war, in die Reichskanzlei übergetreten. Er blieb indessen wie manch anderer viel höher gestellter Funktionär der Reichskanzlei der damaligen Zeit auch weiterhin in bayrischen Diensten und erstattete dem Herzog von Bayern in den Jahren 1588—1601 regelmäßige Berichte vom Kaiserhof2). Manhart starb am 9. Juli 1606 3). Sein Nachfolger war Andreas K o 11, auch Khol, der ursprünglich als Zimmerwärter 1595 in die Kanzlei eintrat und bis zu seinem Tod am 30. Juli 1613 Registrator war4). Es folgten die Brüder Questenberg und dann Zwethen5). 1630 folgte Georg W a n g n e r, der seit 1613 als Privatschreiber bei Johann von der Reck und bei den Sekretären Pucher und Questenberg gedient und 1623 als lateinischer Kanzlist in die Kanzlei Aufnahme gefunden hatte6). Er diente bis zu seinem Tode am 18. September 1648 und wurde durch den bisherigen lateinischen Kanzlisten Gerhard Max Ostermay ersetzt7), dem der Erzkanzler schon 1646 den Titel eines lateinischen Registratursadjunkten verliehen hatte 8). Dieser starb am 23. Juli 1668 9). Sein Nachfolger Ludwig Vlossdorff war Privatsekretär beim Reichsvizekanzler Walderdorff gewesen und hatte vom Erzkanzler eine Exspektanz auf eine Konzipistenstelle erhalten 10 *). Als er am 22. September 1668 als Registrator installiert wurde, hatte der Erzkanzler den Auftrag erteilt, daß er nach Beuers Abgang auch die Arbeit des lateinischen Konzipisten versehen sollte 41). Vlossdorff wurde auch zu solchen Arbeiten herangezogen und bewarb sich, als Beuer endlich Sekretär wurde, um eine wirkliche Konzipistenstelle. Er war zwar ein fleißiger Arbeiter, aber nach dem Urteil Königseggs für einen Konzipisten nicht hinlänglich qualifiziert12). Er blieb daher bis zu seinem Tode im Januar 1680 Registrator 13). Sein Nachfolger wurde Raban Hermann Bertram, ein Bruder des Mainzer Kanzlers Konstantin Bertram und des Reichskanzleisekretärs Franz Winand Bertram. Er diente anfänglich als Aufwärter beim Reichshofratspräsidenten Schwarzenberg, trotzdem er eine gute Bildung genossen und die Jura studiert hatte. Am 26. Januar 1672 wurde er deutscher Kanzlist, behielt aber trotz des Widerspruchs des Reichsvizekanzlers mit Ermächtigung des Erzkanzlers die Aufwärterstelle 2) Vgl. über Manhart S t i e v e, Briefe u. Akten j, 6 u. Joh. Kleinpaul, Das Nachrichtenwesen d. deutsch. Fürsten i. 16. u. 17. Jht., 32 u. 121. 3) R. Taxbuch. 4) R. Taxbücher 159$ u. 1613. 5) Vgl. über diese oben S. 418 u. 438. 6) Mzer. R. K. 12: Supplik Ws., R. Taxbuch 1623. r) R. K. Verf. A. 41. 8) Mzer. R. K. 12: 1646 Febr. 5. 9) R. Taxbuch. 10) R. K. Verf. A. 8: 1667 Aug. 28 Beuer an Vizekzler. “) R. K. Verf. A. 25: 1668 Aug. 4. 12) Mzer. R. K. 25 b: 1675 Aug. 18 Königsegg an Erzkzl. 13) R. K. Verf. A. 41 (Göpfert): 1680 Febr. 1 wird er als verstorben bezeichnet. 462