Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 10. Registratoren der lateinischen Expedition

kommission in Regensburg. Während seiner fast vierzigjährigen Dienstzeit in der Registratur erhielt diese einen nicht unbeträchtlichen Zuwachs aus Prag, der ihren Raummangel noch steigerte. An eine energische Reorganisation der Registraturen trat jedoch Molitor nicht mehr heran. Er erhielt 1778 vom Kaiser den Reichsritterstand51). Am 20. Oktober 1796 ist Molitor ge­storben 52). Sein Nachfolger wurde Nikolaus von Wolf, der am 13. Januar 1797 beeidet wurde. Er diente bereits seit 1783 als Registrant. Wolf hatte auf der Mainzer Universität seine juristische Ausbildung genossen, nachdem er vorher den cursum philosophicum gemacht hatte. Nach Vollendung seiner Studien erwarb er sich Kenntnisse auf praktischem juridischen Ge­biete, auch im Reichshofratsprozeß, und arbeitete in Wien beim Reichs­hofratsagenten Birkenstock. Der Kurfürst gab ihm schon am 22. September 1781 ein Dekret für eine Registrantenstelle, doch wurde er erst am 29. April 1783 vereidigt ®3). Wolf war ein Mann von Initiative. Er arbeitete sich rasch ein. Noch bei Lebzeiten Molitors wurde ihm 1789 die Direktion der Judizialregistratur übertragen. Er arbeitete einen umfassenden Plan zur Neuordnung der Judizialregistratur aus, der allerdings nur teilweise zur Durchführung gelangte, auf dem aber noch heute die Aufstellung der Judizialregistratur des Reichshofrates beruhtr’4). Auf ihn geht auch das große Repertorium der deutschen Judizialregistratur zurück. Nach Molitors Tod wurde er am 1. Januar 1797 zu dessen Nachfolger ernannt, am 13. Januar beeidet und erhielt im Ernennungsdekret den Auftrag zur Re­organisation der Lehens- und Gratialregistratur 65). Wolf hat auch in diesen beiden Registraturen sehr Ersprießliches geleistet, eine ganze Reihe von Behelfen selbst angelegt, so für die Confirmationes privilegiorum, die Im- pressorien, die Tutoria, Moratoria etc. und ein neues Lehensbuch für die deutsche Expedition geschaffen, das noch heute in Gebrauch steht56). Wolf war zweifellos ein tüchtiger und überaus fleißiger Registrator. Knapp vor dem Ende des alten Reiches erhielt er noch vom Kaiser am 27. Juni 1806 den Reichsadel57). Registratoren der lateinischen Expedition. Von den Registratoren der lateinischen Expedition des 16. Jahr­hunderts sind Jakob Büttner und Johann M a n h a r d bemerkenswert. Ersterer, von 1576 bis 1585 als Registrator und vorher vermutlich schon seit 1562, sicher aber seit 1565 als lateinischer Kanzleischreiber tätig, war hauptsächlich mit dem Chiffrierdienst der lateinischen Expedition befaßtx). 61) R. Reg. Josef II. Bd. 17, fol. 28. 52) Eidbuch. “J R. K. Verf. A. 41, vgl. bes. das Promemoria Wolfs v. 8. Febr. 1783. 64) Vgl. das Promemoria Wolfs zur Umarbeitung der deutschen Judizialregistratur i. Mzer. R. K. 35 u. R. K. Verf. A. 40, Nr. 31, vgl. ferner oben S. 304 f. “) R. K. Verf. A. 41. 56) Heute Arch. Behelf Nr. 82, von Wolf sind ferner die heutigen Arch. Beh. 64/1, 65 u. 66. 67) R. Reg. Franz II. Bd. 7, fol. 399. x) Vgl. Ungelters Taxrechng. 1565, fol. 150 u. die Amtsrechng. v. 1576, ferner Bütt­ners Eingabe v. 1570 i. R. K. Verf. A. 28. 461

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