Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition

Ferdinand verliehenen Adel. Diez starb am 27. Oktober 1608 nach langer Krankheit 233). Zu den Sekretären der Reichskanzlei gehörten auch jene Beamten, die während Rudolfs Residenz in Prag in Wien amtierten und den hier die Regierungsgeschäfte führenden Erzherzogen zugeteilt waren. Hier ist zu­nächst Sebastian Westernacher zu nennen. Unter Maximilian II. trat er als Kanzleischreiber in die Reichskanzlei ein. Das Taxbuch von 1577 verzeichnet ihn als Kanzleischreiber der lateinischen Expedition. Noch im gleichen Jahre wurde er mit 100 fl. abgefertigt, wohl aus Anlaß seines Übertrittes in den Dienst der Kaiserinwitwe, als deren Sekretär wir ihn 1578 treffen 234). Am 23. April 1578 verlieh ihm der Kaiser das Diplom eines öffentlichen Notars. Mit 1. Juli 1580 kehrte er als lateinischer Sekretär mit einer Jahresbesoldung von 360 fl. in die Reichskanzlei zurück235). Bereits im Jahre 1380 finden wir ihn als Sekretär des Erz­herzogs Ernst tätig 236), in dessen Dienst er dann auch später immer wieder erscheint. 1582 taucht er als Sekretär im Reichshofrat auf 237 238). Das Tax­buch des Jahres 1583 bezeichnet Westernacher als österreichischen Hof- sekretär, er wurde somit Unverzagts Nachfolger. Er amtierte in Wien und war hier zwischen den Jahren 1585 —1595 die Hauptarbeitskraft der Kanzlei. Aus dieser Zeit finden sich zahlreiche Konzepte seiner Hand 23S). In den Taxbüchern erscheint er stets mit dem Titel eines österreichischen Hofsekretärs. Ernst bediente sich seiner auch zu vertraulichen Verhand­lungen, so 1589 mit dem Kardinallegaten Aldobrandino 239). Mit ihm ging er auch 1594 nach Brüssel und besorgte dort die ganze Korrespondenz Ernsts mit dessen Brüdern, er war auch bei Ernsts Tod in Brüssel zu­gegen240). 1596 wurde er dann vom Kaiser zu Erzherzog Albrecht ent­sandt und bei diesem besonders beglaubigt 241), als dessen Geheimsekretär wird er 1598 genannt 242). In den letzten Jahren des 16. Jahrhunderts wird er dann als dem König Mathias zugeordnete Rat und als dessen Hofkanzlei­direktor bezeichnet 243). Als solcher starb Westernacher am 19. Dezember 1599244). In seinem Testament 245 246 *) führt er auch den Titel eines kaiser­lichen Reichshofrats. Er gehörte bei seinem Tode den niederösterreichi­schen Ritterstandsgeschlechtern an und besaß die Herrschaften Grossau, Lichtenwörth und Neudeggerhof 248). 233) R. Taxbudi 1608. 234) Vgl. R. Taxbudi 1577, Ausgaben u. das Notariatsdiplom Rudolfs II. für Wester­nacher v. 1578 Apr. 23 i. R. Reg. Rúd. II., Bd. 3, fol. 42 b. 235) R. Taxbudi 1581. 236) Fam. A. 34: ij8o Okt. 25 u. Nov. 26. 23‘) Resol. Prot. saec. XVI, Nr. 48 a, pag. 272 u. 308 u. Jud. Mise. 38 (Akt Fiad). 238) Vgl. etwa die Konzepte in Kl. Reidisstände 442. 239) Schweizer, Nuntiaturberichte II/2, 417. 24°) Vgl. Belg. Hofkorr. 26 u. 27 u. Fam. A. 42. 241) Belg. Hofkorr. 6: 1596 Febr. 2. 2,s) S t i e v e, Briefe u. Akten 4, 306, Anm. 3. 243) So von Findsguet i. R. K. Verf. A. 34 b. 244) Hs. 89, S. 116 des niederöst. Landesarchivs. (Freundl. Mitteilung d. Hn. v. B o u r c y.) 245) Landmarsdiall. Testamente W 36. 246) Grossau bei Vöslau in Nd. Österreich, Lichtenwörth bei Wiener Neustadt, Neu­deggerhof wohl bei Stixenstein. 382

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