Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition

Reichstagsausschreibungen 23) und er Unterzeichnete auch die große Reichs­kanzleiordnung vom i. Juni 1559. Fortan läuft seine Tätigkeit voll­kommen parallel mit der Hallers, eine Kompetenzabgrenzung läßt sich nirgends feststellen, vielleicht kann man sagen, daß bei einzelnen Gratial- sachen ein Vorwiegen Hallers zu beobachten ist. Wie Haller hat auch er als Sekretär im Reichshofrat fungiert und mehrere von ihm selbst geschriebene Protokolle hinterlassen 24). Er und Haller zusammen haben gewiß neun Zehntel aller deutschen Schriftstücke in Reichssachen unter­fertigt. Kirchschläger hat aber auch die Sekretariatsgeschäfte des geheimen Rats versehen, wir besitzen ein von ihm geführtes Protokoll des geheimen Rats25). Vom September 1561 bis zum September 1562 war er dem Hoflager des Königs Maximilian zugeteilt2e), wohl im Zusammenhang mit den Arbeiten, die dessen Königswahl erforderte. Am 1. Juli 1559 hatte Kirchschläger von Kaiser Ferdinand I. einen Ratsbrief erhalten27), 1563 erhielt er neben einer Lehensverleihung 28) auch ein Adelsstandsdiplom. Die vom 16. März 1563 datierte Urkunde ist eigentlich eine Bestätigung einer früheren Adelserhebung und fällt durch die Fülle verschiedener Rechte und Freiheiten auf, die sich Kirchschläger, der das Konzept eigen­händig verbesserte, gleichzeitig mit dem Adel verleihen ließ29). Im Jahre 1567 ist Kirchschläger gestorben, sein genaues Todesdatum ist mir unbekannt, muß aber jedesfalls nach dem 17. April fallen30). Der bedeutendste unter den Sekretären Ferdinands I. war zweifellos Hans Kobenzl (Cobenzl), nachmals Freiherr von Prossegg. Gleich Kirchschläger hat auch er seine Laufbahn als Kanzleischreiber in der Hof­kanzlei Ferdinands begonnen. Das Hofstaatsverzeichnis von 1558 ver­zeichnet ihn als lateinischen Kanzleischreiber31), trotzdem seine Hand­schrift ihn kaum als Ingrossisten empfohlen haben dürfte. Kobenzl gehörte einem alten, in den südlichen österreichischen Alpenländern beheimateten adeligen Geschlechte an32) und diesem Umstand mag es wohl zuzu­schreiben sein, daß die Schreiberstelle sozusagen nur ein Durchgangsposten von ganz kurzer Dauer war und wir ihn schon 1559 als Sekretär des Kaisers finden. Zur Zeit des Reichstages wird bereits seiner Ernennung als Extraordinari-Sekretär Erwähnung getan33). Kobenzl fungierte in erster Linie als Sekretär für die österreichischen Angelegenheiten der Reichs­kanzlei, einige Jahre später, 1563, wird er ausdrücklich als Hof Sekretär der niederösterreichischen Lande bezeichnet. Er hat aber auch andere 23) Vgl. R. T. A. 43. 2’) R. H. R. Resol. Prot. Nr. 14 u. 20 a. 25) R. H. R. Resol. Prot. Nr. 18. 26) R. H. R. Resol. Prot. Nr. 18, fol. 99. 27) R. Reg. Férd. I. Bd. 21, fol. 1. 28) Taxrechng. v. 1563, fol. 4. 29) Konzept im Staatsarch. d. Innern u. d. Justiz. 30) Vgl. das Schreiben Max. II. an Albr. V. v. Baiern b. Bibi, Fam. Korr. 2, 150. 31) Fellner-Kretschmayr I/2, 177 (irrtümlich Labentzl). Die Formen Ko­benzl und Cabenzl finden sich nebeneinander. 32) Ober die Familie Cobenzl dürftige, teilweise unrichtige Angaben i. d. Allgem. deutsch. Biogr. 4, 335. 33) Er unterzeichnet bereits den v. 9. Febr. ijj9 datierten Paß für die Güter der pol­nischen Gesandtschaft. R. Reg. Férd. I. Bd. 21, fol. 132 v. 359

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