Historische Blätter 7. (1937)

Taras v. Borodajkewycz: Kaiser und Reichserzkanzler bei Beginn des spanischen Erbfolgekriegs

Gesandte, im letzten Augenblick Gegenminen springen zu lassen und die Eifersucht der übrigen Kreisfürsten gegen das selbstherrliche Vorgehen des Erzkanzlers aufzustacheln. Er konnte die Abhaltung des Konvents nicht hindern, nicht einmal seine Verschiebung erreichen, und es stand nicht gut um die Sache des Kaisers, als der Gesandte verspätet bei den Bera­tungen eintraf. Die kaiserliche Politik gedachte, der ganzen Aktion des Mainzers die Spitze abzubrechen, indem sie mit ihrem eigenen Kreis, dem österreichischen, der Assoziation beizutreten versuchte. Aber der Gesandte drang mit dieser Forderung nicht durch. Gerade die Kreise des Erzkanz­lers, der fränkische und kurrheinische, versteiften sich dagegen mit allen möglichen formalen Gründen und verschanzten sich hinter dem Sinn des Heidenheimer Rezesses, der nur ein Defensivbündnis aufrichten wollte und keine kriegführenden Teilnehmer zulasse. Dagegen kam nach manchem Wenn und Aber die Einigung mit dem bayerischen Kreis zustande111. Die Neutralitätspolitik hatte nochmals einen erheblichen Erfolg errungen. Mit dem Heilbronner Konvent war der Tiefpunkt der kaiserlichen Politik im Reich und in der Assoziationsfrage erreicht. Die Vorgänge riefen in Wien eine starke Erbitterung und Entrüstung hervor, die sich in scharfen Worten gegen den Mainzer Luft machte, in dem man den Draht­zieher des ganzen Unternehmens erblickte. Man warf ihm vor, daß er sich eine „Oberdirektion“ in den Kreisangelegenheiten anmaße, die nur dem Kaiser zustehe und durch sein Spiel auch noch die Gutgesinnten ver­derbe112 *. Schon ging sogar das Gerücht, daß die Kreise sich als Ver­mittler zwischen dem Kaiser und Frankreich aufspielen wollen!118 Der Kaiser war empört über diese Gesinnungen, die da an den Tag kamen. Wie oft hatten er und seine Vorfahren zum Schutz der Reichsstände mit großen Opfern eintreten müssen und nun sollte er in dem bevorstehenden Kampf im Stiche gelassen werden! Und dabei standen bei der spanischen Frage doch auch bedeutende Reichslehen auf dem Spiele. Aber auch wenn der Kampf nur um Interessen seines Hauses ginge, hätten die Reichs­stände die Pflicht, ihm beizuspringen! Der Kaiser betonte es immer wie­der114 *. Sonst könnte es geschehen, daß sie noch die Zeche bezahlen müssen, wenn eine Einigung zwischen dem Kaiser und den mächtigeren 111 Über den Heilbronner Konvent vgl. Bericht Löwenstein-Wertheim 28. und 31. VIII. 1701, J. A. Kopp, Gründliche Abhandlung, S.148ff.; S. Riezler, a. a. 0., S.519ff.; H. Polster, a. a. 0., S. 73 ff. 112 Instruktion für Schlick 5. VIII. 1701, R. K. Instruktionen 13. 118 Bericht Löwenstein-Wertheim 24. V. 1701. 114 Ich entnehme diese Gedanken der kaiserl. Weisung an Löwenstein-Wertheim 18. VIII. 1701, R. K. Weisungen ins Reich 7. 148

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