Historische Blätter 7. (1937)
Taras v. Borodajkewycz: Kaiser und Reichserzkanzler bei Beginn des spanischen Erbfolgekriegs
da er doch sicher selbst gerne sehen müsse, wenn sich die Kreise gegen die drohende Gefahr rüsten100. Graf Schlick wurde vom Kaiserhof mit der Aufgabe betraut, über die für Wien undurchsichtigen Pläne des Mainzers Klarheit zu verschaffen. Er hatte bereits ein hochpolitisches Reiseprogramm abgewickelt -— bei den Generalstaaten in Holland, bei Max Emanuel in Brüssel und bei den übrigen Kurfürsten am Rhein —, als er sich über Frankfurt nach Aschaffenburg aufmachte, um bei dem Erzkanzler vorzusprechen. Beklommenen Herzens trat er diesen Weg an: „Förchte mich warhaftig auf diese letztre Commission undt das ich diessmahl werde steken bleiben. Dann ich habe schon vorläuffige nachrichtcn, wie man sich mit hundertley vorwürffen undt zwar in materien, über welche ich nicht instruirt bin noch die geringste Nachricht habe, gegen mir gefast haltet“101. Wenn der Gesandte noch vor einer Woche einer Abordnung des Kölner Magistrats aufmunternd erklärt hatte, daß der Kaiser mit den Kurfürsten von Mainz und Trier und den oberen Kreisen zufrieden sei102, so war jetzt in seinen Worten von dieser Zuversicht nicht mehr viel übrig geblieben. Hatte ihn die Audienz bei dem Trierer Kurfürsten so kleinmütig gemacht, bei der er nur Vorsicht und Angst angetroffen hatte und als einziges Ergebnis der Vorsprache die Bitte des Kurfürsten an den Kaiser mit sich führte, ihn mit allen gefährlichen Zumutungen zu verschonen?103 In den letzten Apriltagen traf Schlick dann tatsächlich mit dem Erzkanzler in dessen Jagdschloß Rothenbuch im Spessart zusammen. In der Audienz kam alles zutage, was beide Partner schon so lange am Herzen hatten. Der Gesandte begann vorsichtig, mit der Versicherung, der Kaiser hätte den Kurfürsten niemals zu einer Stellungnahme drängen wollen, bevor er nicht mit den Seemächten ins reine gekommen wäre und seine militärischen Vorbereitungen getroffen hätte. Nun es aber mit beidem so weit sei, verlange er zuversichtlich, daß sich der Kurfürst in seine Arme werfe und ihm mit Rat und Tat beistehe. Während aber der Kaiser bemüht sei, den Schutz des Reiches vorzubereiten, müsse er sich zu seinem großen Mißvergnügen sagen lassen, daß neben verschiedenen Parteiungen sich unter dem Namen einer Assoziation eine neue Partei im Reich auftue, welche mit dem Schlagwort der Neutralität arbeite und Verwirrung stifte. Diese Partei habe sogar eine Armee aufgestellt und wolle, wie es heißt, das Kommando dem Kurfürsten von Bayern übertragen, obwohl 100 Lothar Franz an Wratislaw 20. IV. 1701. 101 Bericht Schlick 14. IV. 1701, R. K. Ber. a. d. Reich 16. 102 Bericht Schlick 7. IV. 1701, a. a. 0. 103 Bericht Schlick 14. IV. 1701. 144