Historische Blätter 7. (1937)

Taras v. Borodajkewycz: Kaiser und Reichserzkanzler bei Beginn des spanischen Erbfolgekriegs

Frankreich einlassen und überhaupt nichts unternehmen, was der Sache des Kaisers schaden könnte71. Das war deutlich genug gesprochen. Nur täuschte man sich in Wien, wenn man auf diese Vorstellungen eine ebenso offene Antwort des Erz­kanzlers erwartet hatte. Lothar Franz lehnte eine schriftliche Beantwortung aller Pankte der kaiserlichen Wünsche mit dem Hinweis auf die Gefahr ab, Frankreich könnte vor der Zeit Kenntnis davon erhalten. Über die neue Kreisassoziation suchte er zwar den kaiserlichen Hof durch die Er­klärung zu beruhigen, sie trüge nicht die geringste Spitze gegen den Kaiser. Anderseits wich er einer persönlichen Stellungnahme zu der Ab­sicht des Kaisers, Truppen in die vorderösterreichischen Festungen zu senden, aus: Die Frage sei so schwerwiegend, daß darüber nur der ganze Kreiskonvent entscheiden könne. Dieser trat aber erst in vier Wochen zusammen, bewußt so lange hinausgeschoben, um inzwischen vielleicht doch genauere Nachrichten über die Haltung des englischen Parlaments einziehen zu können. Vertraulich äußerte sich der Kurfürst zu dem Ge­sandten, der Kaiser täte besser daran, mit dem Durchmarsch der Truppen so lange zu warten, bis man einige Gewißheit über die Pläne Englands erlangt habe72. Ähnlich war die Antwort, die sich der Gesandte bei dem Bischof von Würzburg holte73, diese höflich-reservierte Haltung begegnete ihm überall bei seiner Aktion, für die Wünsche des Kaisers günstiges Terrain zu schaffen, im fränkischen Kreis nicht weniger als im schwäbischen. Immer wieder stieß er auf die Sorge der Kreisstände vor Frankreich, die die französische Politik geschickt waehzuerhalten verstand; die Gesandten des Sonnenkönigs ließen gerne Bemerkungen fallen, daß die Gewährung des Durchmarsches kaiserlicher Truppen für Frankreich eo ipso einen Friedens­bruch bedeuten würde74 75. Der einzige offene Parteigänger des Kaisers von grö­ßerer Bedeutung im fränkischen Kreis, der Markgraf Christian Ernst von Bran­denburg-Bayreuth, war in seiner politischen Stellung gegenüber den mäch­tigen Stiften Bamberg und Würzburg doch zu schwach 73. So brachte das Ergebnis des fränkischen Kreistages zu Nürnberg vom letzten Jänner 1701 71 Eine Kopie des kaiserl. Schreibens (s. d.) in M. E. A. Korr. 99. 12 Darüber 2 Berichte Löwenstein-Wertheim 1. I. 1701, R. K. Ber. a. d. Reich 16. Dazu die sehr skeptische Bemerkung Lothar Franzens über den geplanten Marsch kaiserl. Truppen an den Rhein in seinem Schreiben an Wratislaw, 4. I. 1701, M. E. A. Friedensakten 84 a. 73 Ber. Löwenstein-Wertheim 10. I. 1701, a. a. 0. 74 ebda. 75 H. Polster, a. a. 0., S. 67. 138

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