Historische Blätter 7. (1937)
Taras v. Borodajkewycz: Kaiser und Reichserzkanzler bei Beginn des spanischen Erbfolgekriegs
Ständen die Angst hervorzurufen, sie könnten eines Tages aufwachen und ihr Land brennen sehen. Die Idee des Selbstschutzes trat als rettender Ausweg wieder in den Vordergrund. Zuerst aufgegriffen von den beiden Kreisen, in denen das politische Interesse und das Gefühl des Zusammenstehens am stärksten lebte: Franken und Schwaben65 66. Am 23. November 1700 erneuerten sie zu Heidenheim ihr Bündnis, indem sie sich gegenseitigen Schutz und unbedingte gemeinsame Aufrechterhaltung der Neutralität zusagten. Durch die Aufstellung einer gemeinsamen Kreisarmee sollte die Durchführung des Heidenheimer Programmes garantiert werden66. Man kann ermessen, welche Bedeutung diese Vorgänge in dem politischen Konzept des Erzkanzlers gewinnen mußten. Was er am Khein vergeblich versucht hatte, schien nun von der Basis seines fränkischen Fürstentums aus Wirklichkeit werden zu können. Vielleicht gelang es, auch die benachbarten Kreise des Rheins und Bayern zum Anschluß an diese neue Assoziation zu bringen. Dann mochte es für den deutschen Süden und Westen möglich sein, bewaffnet, aber verschont und in Frieden, den Weg zwischen den kämpfenden Parteien zu finden. Die Machtstellung, die Lothar Franz als kreisausschreibender Direktor des fränkischen Kreises inne hatte, sicherte dem Bamberger Bischof ein entscheidendes Mitbestimmungsrecht, ja unter Umständen die politische Führung der ganzen fränkischen Kreisangelegenheiten. Der Erzkanzler hatte schon bei dem letzten Assoziationswerk eine erste Rolle gespielt. Der Widerstand des Kaisers hatte ihn gezwungen, seine Pläne aufzugeben67. So war es ein vertrautes Gelände, das er wieder betrat und die Wiederaufnahme einer alten Lieblingsidee. Der Bamberger Fürstbischof und Erzkanzler hatte auch bei dem Zustandekommen des Heidenheimer Rezesses seine Hand im Spiele gehabt. Man hatte in Wien von dem kaiserlichen Gesandten in Frankfurt, dem Grafen Maximilian Karl von Löwenstein-Wertheim, der zu dieser Zeit auch das Direktorium des Grafenkollegs im fränkischen Kreis versah68, man65 R. Fester, Franken und die Kreisverfassung, Würzburg 1906, passim und H. H. Kaufmann, Der Gedanke fränkischen Gemeinschaftsgefühls in Politik und Geschichte des fränkischen Reichskreises. Archiv d. Hist. Vereins von Dnterfranken und Aschaffenburg, 69/3, 1934. 68 Einen knappen Überblick über Genesis und Entwicklung der Heidenheimer Assoziation gibt der „Extractus ex Actis Circulorum Associatorum ab anno 1697 usque 1714“ im M. E. A. Kreisakten 21. Dazu J. A. Kopp, Gründliche Abhandlung von der Association derer vordem Reichs-Craysse, Frankfurt a. M. 1739, S. 141 f. 67 Siehe oben S. 120. 68 Bericht Gf. Löwenstein-Wertheim 14. IX. und 7. XII. 1700, R. K. Ber. aus dem Reich 16. 136