Historische Blätter 6. (1934)
Walther Latzke: Besitzgeschichte der Deutschordenskommende Wien im 14. Jahrhundert
Besitzgeschichte der Deutschordenskommende Wien im 14. Jahrhundert. Von Walther Latzke. I. Zur Frage der Entstehung der Kommende Wien. Zu den ältesten Niederlassungen des Ordens auf deutschem Boden zählen die Häuser der Ballei Österreich, unter ihnen die Kommenden Wien und Wiener-Neustadt. Leider fehlt uns über ihre Gründung jedes urkundliche Zeugnis. Aber die genaue Betrachtung einer Reihe von Umständen läßt doch einen vorsichtigen Schluß auf die Entstehungszeit beider Häuser zu. Die engen politischen und familiären Verbindungen, die die Babenbergerherzoge mit dem staufischen Kaiserhause verknüpften, brachten den Orden frühzeitig schon in nähere Beziehungen zu Österreich. Ja, diese Beziehungen reichen bis in die Geburtsstunde des Ordens als geistlicher Kampfgenossenschaft zurück. Unter den deutschen Fürsten, in deren Gegenwart am 5. März 1198 im Templerhause zu Akkon die feierliche Umwandlung des deutschen Marienhospitals in einen geistlichen Ritterorden stattfand x, finden wir den jungen Herzog Friedrich I. von Österreich. Mit Wolfger von Ellenbrechtskirchen, dem Bischof von Passau, dem er nahestand, war er 1197 nach Palästina gezogen, als Teil der Vorhut, der Kaiser Heinrich VI. mit dem Hauptheere zu folgen gedachte. Hatte die Kunde von dem jähen Tod des Kaisers alle anderen Fürsten veranlaßt, unmittelbar nach jenem Tag zu Akkon heimzukehren, so waren Friedrich und Wolfger zurückgeblieben, um den Kampf mit ihren Mannen allein weiterzuführen. Aber schon am 16. April 1198 raffte den Herzog eine Krankheit dahin 1 2. Nun kehrte auch Wolfger heim; zwei Aufgaben waren ihm erwachsen: die Leiche des Freundes in die Heimat zurückzubringen und die Anerkennung des neuen Ritter1 Vgl. Relatio de ordine Theutonico, abgedruckt bei Dudik, Münzsammlung, 39—41. Winkelmann, Philipp von Schwaben, S. 61. 2 Necrol. Campolil. in Mon. Germ. Necrol., V, 385; vgl. Fontes rer. Austr. (fortan abgekürzt mit FRA) II/ll, S. 31. Juritsch, Gesch. d. Babenberger, S. 355. 4 49