Historische Blätter 6. (1934)
Friedrich Walter: Maria Theresia und die österreichische Zentralverwaltung
Maria Theresia und die österreichische Zentralverwaltung1. Vortrag, gehallen am 17. November 1933 im Verein für Geschichte der Stadt Wien. Von Friedrich Walter. Verwaltungsgeschichte gilt wohl gemeinhin als der vielleicht trockenste Abschnitt in dem sonst so farbenfrohen Buche der Geschichte und österreichische Verwaltungsgeschichte im besonderen fügt zur Trockenheit noch eine Kompliziertheit der Materie, die auch nicht gerade verlockend ist. Wenn ich mich nun unterfange, heute doch ein Stück Theresianischer Reformtätigkeit auf dem Gebiete der staatlichen Verwaltung zu besprechen, so wird dieses Beginnen einigermaßen entschuldigt durch den Umstand, daß wir auf all den oft vielverschlungenen Wegen, die der Staat in dieser Epoche einschlägt, uin seiner steigenden Aufgabenfülle gerecht zu werden, immer wieder jener wunderbaren Frau begegnen, die mit vielem Recht „eine der unvergeßlichsten in der langen Reihe der Habsburger“ genannt wurde. Und es soll ja dieser Vortrag, der, ohne sich in Einzelheiten einzulassen, die Hauptumrißlinien der bedeutsamen Verbesserungen der staatlichen Verwaltungsmaschine in der Zentrale in Wien nachzeichnen will, ganz besonders auch aufzeigen, wie groß der persönliche Anteil und wie groß das Verdienst zu bemessen ist, das wir der Kaiserin an diesem Werke zuzuschreiben berechtigt sind. Strömt so schon lebendigstes Blut einer überragenden Persönlichkeit in die 1 Da die Form des Vortrags beibehalten wird, fallen die Quellennachweise weg. Allgemein sei verwiesen auf: A. v. Arneth, Geschichte Maria Theresias, 10 Bde.; E. Guglia, Maria Theresia, 2 Bde.; H. Kretschmayr, Maria Theresia; Fellner-Kretschmayr, Die österreichische Zentralverwaltung, II/2 (bearb. von M. Winkler und J. Kallbrunner) und II/3 (eben im Erscheinen begriffen; bearb. von Fr. Walter); W. Andreas, Das theresianische Österreich und das 18. Jahrhundert. Ein Festvortrag. — An Spezialliteratur sei genannt: J. Kallbrunner, Zur Neuordnung Österreichs unter Maria Theresia. F. W. Graf Haugwitz und die Reform von 1749 (Zschr. „Österreich“, Jhrg. 1); Fr. Walter, Kaunitz’ Eintritt in die innere Politik (MOelG 46. Bd.); Fr. Walter, Der letzte große Versuch einer Verwaltungsreform unter Maria Theresia 1764/65 (MOelG 47. Bd.). An diesen Orten sind weitere Angaben über literarische und auch archivalische Quellen zu finden. l* 3