Historische Blätter 6. (1934)

Friedrich Walter: Maria Theresia und die österreichische Zentralverwaltung

noch besonders auf. Damals ergab sich die Kaiserin nicht der Über­zeugungskraft der Argumente, die Kaunitz vorzutragen hatte, sie erlag vielmehr der Macht seines Einflusses, der aus verschiedenen Quellen, nicht zuletzt aus der geschlossenen und bei allen Mängeln und Schwächen doch überragenden Persönlichkeit des Staatskanzlers herkam. Die Er­folge der Bemühungen von 1761 und 1765 waren, gemessen an der Be­deutung des Reformwerkes von 1749, geringer, als Mühe und Plage, die Maria Theresia im reichsten Maße aufgewendet, verdient hätten. Und wenn auch vielleicht Kraft und Mut der Kaiserin nicht mehr die gleichen waren, wie im ersten Dezennium ihrer Regierung, ihre persönliche Lei­stung bleibt dennoch groß und aufrichtiger Bewunderung wert. Absicht und Wille waren so rein wie nur jemals und klar auch die hohe Ziel­setzung: den Völkern zu dienen, ihr geistiges und materielles Wohl zu fördern. Nie hat Maria Theresia jene Aufgabe aus den Augen verloren, als die sie selbst — eine aufgeklärte Monarchin der Tat — bezeichnet hatte, ihren „Ländern allgemeine und erste Mutter“ zu sein. 20

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