Historische Blätter 5. (1932)

Georg Wittrock: Gorčakow, Ignatiew und Šuwalow

Übereinstimmung mit dem Diktate des Kanzlers, würde seinerseits die Antwort bekommen, die deutsche Regierung habe bisher russische Vor­schläge nicht abgelehnt und sehe bereitwillig einer Darlegung des Pro­gramms Fürst Gorcakows entgegen, enthalte sich gegenwärtig eigener Vorschläge und werde diese, wenn sie in Zukunft solche zu machen habe, durch die kaiserliche Botschaft in Petersburg dem Fürsten mitteilen“. „Kommt doch noch auf die Art und Zeit der Action an“ — das ist die Reflexion Bismarcks beim Lesen von Berchems Bericht über sein Gespräch mit Giers, der dabei rückblicksweise die Frage nach der Stellungnahme Deutschlands zum isolierten russischen Eingreifen wieder­holt hatte. In einem Privatbriefe an Radowitz fügt der Stellvertreter Ge­nerals von Schweinitz einige Nachrichten hinzu, die die Unzufriedenheit in Petersburg mit der jetzt enthüllten, im Grunde ablehnenden Haltung des Nachbarn und das an gewissen Stellen gegen den Leiter seiner Politik herrschende Mißtrauen betreffen, das unter anderem in einem leicht spöttischen Worte Gorcakows an Giers angedeutet war: „Nous allons voir ce qu’en dira l’o r a c 1 e de V a r z i n.“ In diesem Punkte wurde Berchem vorgeschrieben, ausdrücklich zu antworten, daß ganz dasselbe Gefühl auch auf der anderen Seite herrsche („d i e s wäre ganz gegenseiti g“) 44 45. Auf die Erklärungen Berchems nebst der Korrespondenz der Sou­veräne konnte dann Bülow mit voller Zustimmung seines Chefs hin- weisen, als Oubril ein wenig widerwillig auf Grund neuer Befehle die Angelegenheit wieder in Erinnerung brachte und dabei die Möglichkeit anregte, ob nicht der General von Schweinitz bei seiner Rückkehr auf den Posten an der Newa die gewünschte, völlige Klarheit bringende Antwort mitführen könne (10. Oktober). Diese Gelegenheit war es in­dessen, die der Reichskanzler benutzte, um in Petersburg seine Gegen­frage auf wiederholte Erkundigungen zu stellen, die besonders brennend wurden, seitdem der Militärbevollmächtigte General von Werder sich 44 B. v. Bülow an Graf Berchem Berlin 19. Sept. 1876 (Konzept). Vom selben Tage ein anderes Konzeptschreiben von Bülow an Berchem in betreff der Frage Oubrils bezüglich der Haltung Deutschlands bei einer isolierten russischen Aktion. Berlin. Die beiden Briefe sind in Historisk Tidskrift 1931, S. 397 f., als Anlage 8 a—b gedruckt. 45 Berchem an B. v. Bülow 24. Sept. (mit Bismarcks Bemerkung), an Rado­witz 14./26. Sept. (Privatbrief, mit der Äußerung Gorcakows); Herbert Bismarck an Radowitz Varzin 29. Sept. 1876 (eigenhändig, mit der Vorschrift des Kanzlers betreffend den Auftrag an Berchem). Berlin. — Vgl. Goriainow, Le Bosphore et les Dardanelles, S. 320f. 91

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