Historische Blätter 5. (1932)

Georg Wittrock: Gorčakow, Ignatiew und Šuwalow

tion und nicht unter dem Druck der öffentlichen Meinung. Wille den Frieden zu erhalten, aber Festhalten der Ansicht, daß Conferenzen mit Cabineis-Chefs einziger Weg hierzu sind*0.“ Manteuffel war instruiert, Zar Alexander der Freundschaft des Deutschen Reiches zu versichern, sei es, daß er sich für Krieg oder für Frieden entschlösse; Kriegshilfe könne Deutschland nicht leisten und habe auch selbst solche von Rußland nicht bekommen, es würde aber als wohlwollender und neutraler Nachbar für 1864, 1866 und 1870 volles Entgelt bieten. Persönlich hatte der Feldmarschall kein Bedenken aus­zusprechen, daß er die Teilnahme Deutschlands am Kriege gegen die Türkei gewünscht hätte — es war ein Mittel, den für Alexander und Gorcakow immerhin etwas bitteren Bescheid in diesem Punkte ein wenig zu vermildern. Oubril betreffend, erklärte der Vertrauensmann der deutschen Regierung, daß Wilhelm I. persönlich mit ihm zufrieden sei, verhehlte jedoch nicht, daß wirklich vertrauliche Beziehungen zu Fürst Bismarck nur durch einen anderen Botschafter, zum Beispiel Graf Suwalow, er­reicht werden könnten — eine direkte Empfehlung, die diesem kaum förderlich sein sollte. Gorcakow, der kein Freund des Grafen war, be­hauptete wenigstens, es vertrage sich nicht mit der Würde Rußlands, seine diplomatischen Repräsentanten durch den Leiter der äußeren Politik des Nachbarlandes ein- und absetzen zu lassen 40 41. Man versuchte auf russischer Seite, dem Auftrag Manteuffels das größtmögliche Gewicht zu geben. In Petersburg, wo die Nachricht von seiner Sendung allgemein großes und freudiges Aufsehen erregte, ward das Gerücht verbreitet, er habe das deutsche Heer Rußland zur Ver­fügung gestellt. Nikolaus Giers — damals der nächste Mithelfer des Staatskanzlers im Ministerium — berichtigte wohl diese Meldung dahin, daß man die vollkommene Identität der Auffassungen der beiden Kaiser­höfe von neuem festgestellt habe, und daß diese Übereinstimmung der zwei mächtigsten Reiche schon an sich eine Tatsache von außerordent­40 Manteuffel an B. v. Bülow Warschau 4. Sept. 1876 (Entzifferung). Ber­lin. — Ich verweise für den allgemeinen Zusammenhang auf die bekannten Arbei­ten von Felix Rachfahl, Deutschland und die Weltpolitik 187 1—1 914. I. Die Bismarck sehe Aera (Stuttgart 1923), und von Otto Becker, B i S- marck und die Einkreisung Deutschlands. I. Bismarcks Bündnispolitik (Berlin 1923). 41 Die Große Politik, II S. 37 (Bismarcks Diktat 30. Aug.), 39, 41 (Feldmarschall v. Manteuffel an Kaiser Wilhelm Warschau 6. Sept. 1876). Oubril angehend Schweinitz, Denkwürdigkeiten, I S. 348f. 89

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