Historische Blätter 5. (1932)

Georg Wittrock: Gorčakow, Ignatiew und Šuwalow

der freilich mit Suwalow nahen Umgang habe und sich mit ihm in Damengesellschaft zerstreue, der aber unter seinen englischen Freunden eine sehr feindliche Sprache gegen Rußland führe. Der Thronfolger hatte diese Stimmung laut Münster aus Indien mitgebracht, und Disraeli sehe sie nicht ungern, weil es ihm durch den Prinzen möglich sei, auf einen Teil der Aristokratie zu wirken, falls er schließlich eine kriege­rische Politik nötig finden sollte. Nach der bevorstehenden Parlaments­diskussion würde sich übrigens nach der Meinung des Botschafters die Lage besser übersehen lassen. Münster hatte den Namen Graf Peter Suwalow genannt. Er kehrt zu diesem Gegenstände zurück, denn er weiß, daß er dem Empfänger des Briefes am Herzen liegt; aber die Nachrichten, die er bietet, sind kaum für den deutschen Reichskanzler erfreulich. Suwalow besaß in England wie in Rußland Freunde und Widersacher, und diesmal hatte der Botschafter Kaiser Wilhelms offenbar auf die letzteren gehört. „Unser gegenseitiger Freund Schuwaloff“, heißt es, „hat leider hier es nicht verstanden, sich die richtige Stellung zu verschaffen“ (Bismarck: „d o c h!“), „er ist unvorsichtig, läuft den Frauen zu viel nach und wird leicht so aufgeregt, daß er den ganz unbegründeten Ruf hat, er trinke“ (Bismarck: „nicht lesbar“). Seine Feinde unter den Russen, unter ihnen ein Nesselrode — wahrscheinlich der Sohn des früheren Staats­kanzlers Dmitrij — würden ihn mit solchen Gerüchten bei seinem Souverän schaden können — man besitzt das Zeugnis Langenaus, daß dies wirklich geschehen ist29. Münster findet es wünschenswert, daß felt the danger to which our interests were exposed, but I was most anxious for peace, while at the same time not giving way an inch to Russian supremacy. That I had urged and pressed Lord Beaconsfield and the Government to speak out and be firm. Colonel Wellesley asked if he might tell this to the Emperor, to which I replied, certainly.“ Siehe auch Die Große Politik, II S. 158f.: der Botschafter in Konstantinopel Prinz Reuß an Bismarck, Bujukdere 10. Juli 1877, über die scharfen Auslassungen Herzog Alfreds von Edinburgh in betreff der britischen Politik und der Haltung der Königin. (Der Herzog war mit einer Tochter Alexanders II. vermählt.) 29 Langenau an Andrássy 15./27. Mai 1876 (Privatbrief). Wien. Siehe auch das zusammenfassende Urteil über die Person und das Werk Suwalows bei Schweinitz, Denkwürdigkeiten, II S. 386 (Berlin 1927). Interessante Angaben finden sich auch in der anonymen Arbeit Julius v. Eckardts Aus der Peters­burger Gesellschaft („Vierte, stark vermehrte und durchaus verbesserte Auflage“, Leipzig 1875, S. 41 ff.), die außerdem die Grafen Adlerberg, die Brüder Miljutin, Gorcakow, Walujew und Ignatiew schildert. Eckardt überschätzt aber ohne Zweifel die Stellung Suwalows 1874, wenn er glaubt, daß dieser mit der 80

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