Historische Blätter 5. (1932)

Dr. Julius Marx: Eine vormärzliche Wirtschaftskrise im Lichte der amtlichen Berichte

Halten mehr. Kreuzbergers Vorschlag, als Pressionsmittel Arbeiterent­lassungen unter Hinweis darauf vorzunehmen, daß schon die bloße Er­wartung der Maßnahme Stockung bringe, wurde angenommen. In den Industriegebieten stieg, durch einige Kridafälle vermehrt, die Aufregung. In Warnsdorf und Rumburg wandte man sich an den Kreishauptmann um verläßliche Auskunft, die weder er noch die Landesstelle erteilen konnten, weil sie alle nichts wußten. Die Wiener Ministerberatungen im August, Tggoborskis Werk, das „neueste beschwichtigende Operát“, wie es hier genannt wurde, steigerte die Unruhe. In Warnsdorf und Tann­wald „bewog“ man die Arbeiter zu Bittschriften, indem man ihnen bei Systemänderung Brotlosigkeit androhte; eine solche Schrift fand in der Spinnerei Stametz-Meyer 2000 Unterschriften, bei jedem Arbeiter gab man auch die Kinderzahl an. Gar nicht einverstanden mit dem Kampfe war neben einzelnen Kaufleuten und Fabrikanten die Bevölkerung. Sie warf den Großerzeugern Vernichtung der Kleinmeister, besonders im Textilgewerbe, durch Lohndruck erzwungene Verschlechterung der Güte des Leinens, Schädigung der Verbraucher unter dem Schutze der Pro­hibition vor. Man sah nicht ein, daß der Staat, der jetzt die Arbeitslosen bei den Bahnbauten leicht unterbringen konnte, das Ausbeutungsmono­pol verewigen sollte. Die Aufregung flaute unter dem Eindruck der großen Gefällsuntersuchung im Bidschower Kreis — die Schwärzungen nahmen beängstigend zu — nicht ab, was endlich Kübeck zu einer Urgenz der Erledigung seiner Vorschläge bewog. Sie erfolgte am 9. Mai 1844 — nach 3/4 Jahren! — und begrub endgültig die Reform, erledigte damit auch gänzlich die Frage des Anschlusses und zog förmlich dauernd den Grenzstrich zwischen Österreich und Deutschland. Zwar kam die An­gelegenheit, sie ruhte ja auch später nicht, noch einmal im Vormärz zu öffentlicher Erörterung, als im September 1844 deutsche Blätter das Ge­rücht besprachen, daß Böhmen allein auf 5 Jahre dem Zollverein bei­treten werde. In Berlin, wo man die Sache als sicher ansah, herrschte große Bewegung, in Österreich hielt man die Sache für ein Hirngespinst. Das Dementi erfolgte auch bald, selbst das Zollvereinsorgan nahm eine ablehnende Haltung ein. Die Diskussion verstummte, nur in Wien regte sie Lists Besuch Ende 1844 noch einmal vorübergehend an. Wieder ein­mal war eine Gelegenheit versäumt worden 24! 24 Wr. Junib. (Bl., Sedln. Einb.) 1843 u. Dez.-b. 1844. Lz. B. f. 1843 u. v. 20. Februar 1845. Gr. B. f. 1843. Br. B. f. Juli 1843 u. Sepi. 1844. Tr. Juli- u. Okt.-b. 1843. Pr. B. f. 1843 (besonders Juni, Juli), Sept. 1844, 2. Hjb. 1843 u. 1844. — St.-A., M. K. A., Z. 1576 ex 1843. — „Z o 11 v er e i n s b 1 a 11“, 59

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