Historische Blätter 4. (1931)

Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes

immer die Verantwortung für seine Politik vor der Geschichte tragen müssen, die historisch-politische, aber auch die moralische. Die moralische wird sich freilich abgesehen von den verwendeten Mitteln in der Frage erschöpfen, ob der Staatsmann nur persönliche Politik verfolgte, oder ob er aus den von ihm für richtig erkannten Inter­essen seines Staates heraus handelte. Daß Metternich in Italien persön­lichen Zielen nachgegangen sei, wird man kaum im Ernst behaupten können. Schwieriger ist selbstverständlich die politische Beurteilung. Hier wird man, sobald der Inhalt der politischen Idee festgestellt ist, fragen, ob sie groß und bedeutend war, ob für den Staat in der gegebenen Lage nützlich und durchführbar, wie weit sie den Gedanken der Zeit entsprach und wie weit es gelungen ist, sie durchzuführen. Man wird vielleicht, da wir nun einmal in einem Staatensystem leben, auch die Wirkung auf dieses in Betracht ziehen. In all dem freilich ist das Entscheidende in letzter Linie doch der Erfolg, woher er auch kommen mag. Die Ziele von Metternichs Legapolitik ergeben sich am objektivsten aus den tatsächlich abgeschlossenen Verträgen mit Toskana und Neapel. Wie zu erwarten, sind sie durchaus konservativ, sollen womöglich für alle Zukunft den status quo, den patriarchalischen Absolutismus und, wie wir wohl zugestehen müssen, die österreichische Vorherrschaft in Italien sichern. Von Gebietserweiterung ist keine Rede. Es ergibt sich ohne weiteres, daß in dieser Festlegung und insbeson­dere in der Bindung des ständig schwankenden Sardinien ein bedeutender Nutzen für Österreich gelegen hätte und daß es eine durchaus mögliche, ja selbstverständliche Politik war. Wir müssen also Metternich hier recht geben, wenigstens vom österreichischen Standpunkt aus. Aber einen österreichischen Staatsmann darf man doch von keinem anderen her beurteilen Die weitere Frage freilich, ob die Lega wirklich für alle Zeiten die Vorherrschaft Österreichs hätte aufrecht erhalten können, wird man kaum mit ja zu beantworten wagen. Da hätte doch zumindest eine völlige Änderung der ganzen Regierungsweise in Italien nebenhergehen müssen. Übrigens hat Metternich die Vormacht und die Erhaltung der Ruhe in Italien, wie es schien, auch ohne Lega, so weit als möglich gesichert. Besaß doch Österreich das Festungsviereck und das Besatzungsrecht in Piacenza, Ferrara und Comacchio, den Barrierestaat Parma und die Allianzen mit Neapel und Toskana, später auch mit Sar­dinien, bei dem es auch ein gewisses Aufsichtsrecht übte und dessen stärkste Festung geschleift war. Endlich beherrschte man, wie Metternich selbst mit Genugtuung hervorhob, durch die Freundschaft mit Groß­74

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