Historische Blätter 4. (1931)

Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes

Schaft sollte diese Lega bedeuten, genau so wie der Rheinbund, und wieder müßten unsere geliebten Untertanen auf fernen Schlachtfeldern für fremde Interessen bluten. Wohl wäre eine Zusammenfassung der Kräfte der Halbinsel gegen Rußlands drohende Übermacht sehr weise, aber nahe Gefahr müsse man mehr fürchten als ferne. Und schließlich der Entrüstung letzter Grund, das Haus Savoyen habe bisher alle Ver­größerung einzig seiner glücklichen Lage zwischen Frankreich und Öster­reich zu danken. Daher sollen die Gesandten überall gegen die Lega arbeiten, auf ihre Gefährlichkeit aufmerksam machen, hinter die öster­reichischen Pläne zu kommen suchen und das Geheimnis wahren, sollen nebenbei aber auch nicht vergessen, auf die Carbonari achtzugeben, die der König in Turin offenbar ebenso fürchtete, wie sein Gegenspieler in Wien. Und nun kommt erst der eigentliche kühne Gegenzug, der Vor­schlag einer lega marittima, eines italienischen Seebundes gegen die Barbareskenstaaten. Und dieser Seebund sollte wahrscheinlich der Vor­läufer einer allgemeinen italischen Liga unter Sardinien sein. Denn Sardinien hofft sich bald stark genug, um, wie es etwas unklar heißt, selbst mit einer solchen Allianz zu kommen — porre in campo. Also nicht nur Vereitelung der Liga mit Österreich, sondern sogar Liga gegen Österreich. ' Daß der König damals an so etwas gedacht hat, ist sicher. Teresa Buttini164 hat aus dem Turiner Staatsarchiv ein ziemlich umfangreiches Manuskript veröffentlicht, worin sich der König teils mit der Neuord­nung seines Staates, teils aber mit dem Plan einer lega italica 165 befaßt. Das ziemlich genau ausgearbeitete Programm ist wahrscheinlich Ende 1815 oder Anfang 1816 entstanden, und zwar unter Einfluß des Vor­schlages Napiones von 1791 gegen die Barbaresken. Darnach sollte Italien, einst Herrin der Welt, seine Kräfte wieder zusammenschließen zur Erhaltung des status quo, zur Verteidigung nach außen, zur Bekämpfung revolutionärer und antikatholischer Bestrebungen im Innern und endlich zu Schutz und Förderung des Handels. Auf gemeinsamen Beschluß sollten auch Offensivkriege möglich sein. Über das Militärische und einige andere Punkte werden genaue Angaben gemacht. Auswärtige Fürsten hätten fremde Truppen nur bis zu einem Sechstel ihrer italieni­schen ins Land bringen dürfen. Auch über die Erbfolge in den einzelnen Staaten — eine für Sardinien aktuelle Frage — sollten Abmachungen getroffen werden. An der Spitze hätte eine gemeinse Ministerkonferenz 164 S. vor. Anm. 165 jm ersten der beiden Teile unter dem Titel: „Dell’idea di una lega italica.“ 68

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