Historische Blätter 4. (1931)

Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes

und empfinde seine jetzige Mission als Erniedrigung, möchte ihr daher Bedeutung geben und sich auszeichnen 113. Auch der Vizekönig Erz­herzog Rainer hielt den Mann für seinen Posten für ungeeignet114 und in London hatte er den denkbar schlechtesten Eindruck hinterlassen115. Es war ein Fehler, mit dieser heiklen Mission einen Diplomaten zu be­trauen, mit dem man sonst offenbar nichts Rechtes anzufangen wußte und der durch sein brüskes Wesen das stets vorhandene Mißtrauen erst recht entfachte. Gar so unrecht hatte ja Starhemberg mit seinen Anwürfen gegen den König freilich nicht gehabt. Denn das, was man in Sardinien die Knechtschaft unter dem übermächtigen Österreich nannte, war, wenigstens zum Teil, die Furcht, die vielgenannte Schaukelpolitik nicht mehr fortsetzen zu können. Ansonst hätte ja die Lega Sardinien tat­sächlich manche Vorteile gebracht. Aber es wollte gar nicht den status quo, sondern immer neues Land. Und der König selbst läßt uns darüber keinen Zweifel. So sagt er in einer Instruktion zu dieser Frage anfangs 1816 116, daß Fremde, die in Italien eindrangen, nur mit Hilfe des kriegs­tüchtigen Sardinien auf Erfolg rechnen konnten und dafür immer irgend­ein Opfer gebracht haben. Würde nun Österreich zu stark und Frank­reich zu schwach, so wäre es für die Zukunft mit solchen Hoffnungen vor­bei. Und dieser König, mißgestaltet, ohne Bildung und reaktionär bis zur Beschränktheit, war doch entschlossen, von klugen und geschickten Diplomaten unterstützt, das, was er seine Freiheit nannte, bis zum äußersten zu verteidigen. Zunächst einmal suchte Vallaise Sardiniens alten Protektor England zu interessieren und unterrichtete den dortigen Gesandten Grafen d’Ágiié von der Lage 117. Kann denn England, ruft er aus, eine solche Gewalt­samkeit, eine solche Knechtschaft dulden! Doch Sardinien mußte vor­sichtig operieren, denn Österreich war als Freund wie als Feind ein gar mächtiger Nachbar und immer noch hatte es Alessandria in seiner Hand. Daher sandte Vallaise Anfang Juli auch den Chevalier de Revel ins große Hauptquartier, teils um Metternich zu versöhnen, teils um vielleicht beim Zaren und beim König von Preußen Interesse zu erwecken. Die In­struktion 118 verrät uns die Wünsche Sardiniens. Einmal Vergrößerung 113 An Revei, Juli 7, s. u. 114 Helfert in A. ö. G., Bd. 98, S. 342. 115 Gentz an Wessenberg, Briefe v. 1809, hg. A. Fournier W. 1907, S. 9 u. 17. 118 Instr. f. Toskana [1816 Feb.] S. 23. Konz. St. A. T. 117 Weisung vom 4. Juli, s. o. 118 Instructions ä Mr. le Chev. de Revel, 1815 Juli, Abschr. St. A. T. 58

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