Historische Blätter 4. (1931)

Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes

Die Lega aber konnte Metternich im Frühjahr 1815 als auf bestem Wege befindlich ansehen und er ging nun mit frischem Mut an die wichtigste und stärkste gegnerische Stellung, an Sardinien heran. Hier mußte auch der schwerste Kampf bevorstehen. Metternich eröffnete diesen Kampf mit einem Doppelangriff, einer­seits auf St. Marsan in Wien, anderseits in Turin selbst. Der Vertrag mit Neapel sollte Ausgangspunkt für weitere Aktionen sein, „die erste Grund­lage d’un Systeme de défense fédératif pour l’Italie“ 97. Das Konzept eines solchen Allianzvertrages wurde St. Marsan kurz vor seiner Abreise aus Wien mitgeteilt, der versicherte, sein Hof werde den Gedanken mit Eifer aufnehmen 97. Nach Turin aber beorderte man den Fürsten Starhem­berg als außerordentlichen Gesandten und gab ihm die Verträge vom 20. Mai und 1. Juni samt dem neuen Konzept mit, worüber er Verhand­lungen einzuleiten hatte 97. Dabei sollte er auf die Friedens- und Gleich­gewichtspolitik Österreichs als der sichersten Garantie für Ruhe und Unabhängigkeit Italiens hinweisen, auf die Föderation aber als das Mittel zu diesem wohltätigen Zweck. Da man mit St. Marsan bereits über alle Punkte übereingekommen sei und er seinen Hof unterrichtet haben dürfte, so werde die Sache, der der Kaiser die größte Wichtigkeit beilege, wohl keine Schwierigkeiten mehr haben. Für Sardinien sei der Vorteil ja evident. In den militärischen Fragen sollte Starhemberg sich mit Bellegarde beraten98, der auch von Metternich selbst unterrichtet wurde ". Dieser antwortete voll Freude darüber, daß nun die Grund­lagen eines Verteidigungssystems für das schwache Italien als Schutz gegen künftige Invasionen gelegt seien. Als Kontingent, glaube er, könne man im Kriegsfall mindest 20.000 und höchstens 25.000 Mann verlangen. Für sehr wichtig halte er auch den Ausbau der Alpenfestungen an den Toren Italiens, die von Napoleon alle zerstört worden seien 07 * * 10°. Voll Genugtuung stellte Metternich in einem Vortrag am 20. Juni101 und wieder am 30.102 in Heidelberg und Hagenau dem Kaiser vor, was seit seiner Abreise aus Wien zur Begründung des künftigen Systems in Italien alles geschehen sei. Mit dem Abschluß der Verhandlungen in 07 Instr. f. Starhemberg, W. 1815 Juni 11, Konz. St. A. W., Sard. 1814/6. 98 Ebenda. 99 W. 1815 Juni 12, Konz. St. A. W. Prov. Fasz. 4, Lomb.-Ven. 1815/6. 100 Mail. 1815 Juni 23. Or., ebda. 101 Or., St. A. W., Vortr. Fasz. 292. 102 Or., ebda. 55

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