Historische Blätter 4. (1931)

Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes

vertrag über die Verpflegung und den Durchmarsch der österreichischen Truppen in den sardinischen Staaten kam 83. Mit der Lega, die Metter­nich erstrebte, hatte dieses Kriegsbündnis allerdings noch nichts zu tun. Dagegen ergab sich an anderer Stelle Metternich endlich die er­sehnte Gelegenheit, die ersten festen Grundlagen zu seiner Konfödera­tion zu legen 84. Anfangs Mai hatten die Österreicher König Murat bei Tolentino gezwungen, die Waffen zu strecken und dann Ferdinand IV. von Sizilien nach Neapel zurückgeführt. Der Bourboné, der Österreich soviel dankte und sich gerne seinem Schutze überließ, gab auch ohne Bedenken seine Zustimmung zu dem Allianzvertrag, den Metternich am 12. Juni 1815 zu Wien mit Commandore Ruffo schloß 85. Gleichzeitig wurde Fürst Jablonoffsky nach Neapel entsandt86, um auch persönlich den König in der durch den Vertrag begonnenen Politik zu bestärken. So wird er sagen, daß der König einzig den österreichischen Truppen seine Rückkehr dankt, daß ihn Dankbarkeit und die Bande des Blutes ebenso zum natürlichen Verbündeten Österreichs machen müssen, wie sein wohlverstandenes Interesse. Nur noch mit England sind freund­schaftliche Beziehungen erwünscht. Unter den Gründen aber, die eine möglichst enge Verbindung mit Neapel erstreben lassen, ist einer der wichtigsten, der nie aus den Augen zu verlieren ist, die Errichtung eines föderativen Verteidigungssystems in Italien unter Österreichs Schutz. Der eben geschlossene Vertrag enthält die Grundlagen dieses Systems, das sich allmählich über alle Staaten Italiens ausdehnen und sie zuletzt alle, mehr zu ihrem als Österreichs Vorteil, unter der Ägide des Kaiserstaates vereinen wird, als sicherster Wächter eines dauernden Friedens in diesem schönen und wichtigen Teile Europas. Und am gleichen Tage wie mit Neapel konnte Metternich auch mit dem toskanischen Gesandten Corsini eine in den Hauptpunkten übereinstimmende Allianz abschließen87, obwohl Großherzog Fer­dinand und sein Minister Fossombroni, wie die italienischen Histo­riker lobend anmerken, keine blind ergebenen Anhänger Österreichs 83 Bittner a. a. O. n. 1714. 84 Schreibt Mett, an Bellegarde, W. 1815 Juni 12, Konz. St. A. W., Prov., Lomb.-Ven. 1815/6. 85 Bittner a. a. O. Bd. 2, n. 1712, Bianchi, storia doc., Bd. 1, S. 207, Raulich a. a. O. S. 82, Helfert a. a. O. S. 252. 86 Weis., W. 1815 Juni 11, Konz. u. Kop., St. A. W., Neapel 1814/5. 8T Bittner, Bd. 2, n. 1713, Bianchi, stör, doc., Bd. 1, S. 215. A. v. Reumont, Gesch. Toscanas, Gotha 1876 f., S. 455. 52

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