Historische Blätter 4. (1931)

Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes

lieber alles verlieren, als auch nur einen einzigen Franzosen nach Italien lassen. Consalvi bemerkt freilich dazu, ihm habe St. Marsan nichts der­gleichen gesagt. Immerhin hatte auch Bubna wenigstens im Juni noch Grund zu glauben, die Allianz mit Österreich sei in Turin der all­gemeine Wunsch, wenn er auch seiner Beständigkeit nicht recht traute 56. Metternich selbst hat dem sardinischen Gesandten zunächst nur die ganz vagen Andeutungen vom 30. Juli gemacht57, erst im November wurde er ihm gegenüber deutlicher. Trotzdem hatte man in Turin gewisse, und zwar ziemlich sichere Ahnungen von der Sache. Vielleicht war es doch mehr als bloßes Gerücht gewesen, was Bubna von der Sendung Bellegardes am 20. Juli zu erzählen gewußt hatte58. Denn er glaubte auch zu wissen, daß der König abgelehnt habe mit dem Bemerken, eine Allianz sei ihm unter den gegenwärtigen Verhältnissen unmöglich und er werde immer das System der Neutralität vorziehen. Es sind das nämlich Worte, die auch später von sardinischer Seite immer wieder fallen. Ein gutes Vorzeichen war es zunächst gerade nicht. Doch hören wir nun einmal die Sardinier selbst. In der Instruktion für den Kongreß rät Minister Vallaise dem Ge­sandten St. Marsan gegen etwaige Konföderationspläne Österreichs guten Willen zu zeigen, aber hinzuhalten und sich nicht binden zu lassen, also eine Politik des Abwartens, die ja auch selbstverständlich war 59. Auf die Räumung Alessandrias und Piemonts zu dringen, wird natürlich besonders aufgetragen60. Über diese Frage machten sich Vallaise und St. Marsan zunächst auch die meisten Sorgen; es lag das Land ja auch noch ganz in Österreichs Hand. So richtete der Gesandte am 15. September eine Note an Metternich, in der er sich über Belle­gardes ausweichende Haltung beklagte, trotz dem klären Versprechen des Kaisers und des Kanzlers, zu räumen, sobald Sardinien es wünsche 61. St. Marsan hat auch schon gehört, daß Österreich auf Belgien verzichten und dafür seine italienischen Okkupationen festhalten wolle und leider unterstütze das auch England62. Daß die sardinischen Befürchtungen nicht ganz grundlos waren, ergibt sich aus den Absichten der österrei­chischen Generale und wird wieder bestätigt durch einen Bericht Bubnas 50 Bericht Tur. 1814 Juni 18, s. o. 67 S. o., dazu auch später Vallaise an Revel, 1815 Juli 7, St. A. W., Konz. 58 S. o. 59 N. Bianchi, stör, della mon. Piem. Bd. 4, S. 504. 60 Ebenda. 61 Or., St. A. W., Sard. 1814/6. 62 An Vallaise, W. 1814 Sp. 5, Chiffre, St. A. T. 48

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