Historische Blätter 4. (1931)
Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes
13. November13, schlug der spanische Gesandte vor, wie für Deutschland, auch für Italien eine eigene Kommission für die allgemeinen Angelegenheiten zu schaffen. Sofort erhebt sich Metternich und dringt auch mit der Meinung durch, daß zwischen Deutschland und Italien ein großer Unterschied bestehe. Deutschland sollte doch nach dem Pariser Frieden einen Körper von Staaten darstellen, geeint durch ein föderatives Band, Italien keineswegs, vielmehr nur eine Vereinigung unabhängiger Staaten, zusammengefaßt einzig durch dieselbe geographische Bezeichnung. Es ist das berüchtigte Wort, das ihm Italien so sehr verübelt hat. Und doch hatte Metternich damals schon den Plan eines italischen Bundes gefaßt. Wenn er trotzdem so scharf scheidet, so müssen deutscher Bund und Lega italica auch in seinen Plänen zwei sehr verschiedene Dinge bedeuten. Der deutsche Bund war ja auch nur eine Wiederherstellung früherer Zustände und das deutsche Volk hatte gekämpft darum und was besonders ins Gewicht fiel an der Gestaltung Deutschlands war ob seiner Lage und der Stärke doch auch seiner Mittelstaaten ganz Europa interessiert. Daher will Metternich schon in den ersten Phasen des Befreiungskrieges hier ein System aufgerichtet wissen, das die Interessen des Landes mit denen Europas verknüpft14. In Italien dagegen hatte niemand gekämpft. Ein einigendes Band hatte es längst nicht mehr gegeben, wenn man vom revolutionären Königreich absieht, und durch seine Lage fiel es außerhalb der Interessen Gesamteuropas, vielmehr einzig in den Machtbereich Österreichs. So hatte auch der geplante italische Bund einzig eine österreichische Angelegenheit zu sein • Wir können nicht sagen, wann zuerst und woher der Gedanke der Lega in Metternich sich entwickelt hat. Denn das Aufsteigen der Idee, dieser eigentlichen Urkraft aller Veränderung und damit aller Geschichte, ist uns immer nur sehr teilweise erkennbar. Wir können nur die Äußerungen feststellen. König Viktor Emanuel meinte 15, daß der Gedanke der Zusammenfassung der Kräfte Italiens von seiten Österreichs kein ganz neuer mehr war. Er lebte bei den Carbonari, im italienischen Königreich Napoleons, und er war dann auch die Seele des Unternehmens von Murat. Noch früher finden sich föderalistische Gedanken. 1791 schlug ein gewisser Napione der sardinischen Regierung eine italienische 13 Ebda. Bd. 8, S. 86 f. 14 Gebhardts Handbuch, Bd. 2, S. 528, Instr. Metternichs für Stadion v. 7. Mai 1813. 15 St. A. T. Instrukt. f. d. Ges. in Florenz [1816, II] Konz. S. 25, „non entrö vergine nella testa d’Austria“. 40