Historische Blätter 4. (1931)

Fritz Reinöhl: Aus dem Tagebuch der Erzherzogin Sophie

sei 26. Die zur Verfügung stehenden Quellen scheinen das nicht zu be­stätigen. Zum ersten Male dürfte — von den Bestrebungen, Ferdinand von der Thronfolge auszuschalten, muß ja abgesehen werden 27 — im Juni 1847, nachdem Kaiserin Maria Anna schon vorher mehrmals dahin zielende Absichten geäußert zu haben scheint, eingehender über einen Thronwechsel gesprochen worden sein28. Im November 1847 wurde von der Kaiserin Maria Anna mit Metternich vereinbart, ihn am 18. August 1848, dem 18. Geburtstage des Erzherzogs Franz Joseph, vorzu­nehmen 29. Nach den Ereignissen des 13. März 1848, noch am selben Tage, dann am darauffolgenden und am 15. März scheint die Abdankung Fer­dinands, auf welche dessen Gemahlin drang, von Metternich und dem von Franz Joseph zu Hilfe geholten Fürsten Windischgrätz nur mit Mühe verhindert worden zu sein 30. Nach dem Rücktritt Erzherzog Lud­wigs am 5. April soll die Frage eines Thronwechsels neuerdings zur Sprache gekommen sein, diesmal zugunsten Franz Karls; abermals soll es Windischgrätz gewesen sein, der dagegen auftrat und entschieden er­klärt haben soll, daß ein Thronverzicht, wenn er einmal nötig sein werde, nur zugunsten des politisch nicht belasteten Erzherzogs Franz Joseph erfolgen könne. Nach Helfert, auf den diese Darstellung zurückgeht, soll seither nur mehr von Franz Joseph als Thronfolger gesprochen worden sein 31. Im Juni des Jahres 1848, während des Aufenthaltes des Hofes in Innsbruck, tauchte abermals die Absicht auf, den Thronwechsel am 18. August 1848 durchzuführen; sie scheiterte wieder am Widerstande Windischgrätz’ 32. Nach der Rückkehr des Hofes nach Wien nahm der Plan immer festere Gestalt an und verdichtete sich nach der Flucht nach Olmütz immer mehr; spätestens in der ersten Woche des November war 26 Friedjung a. a. O. Bd. 1, S. 14; Stern, Geschichte Europas Bd. 7, S. 287; V. Bibi, Der Zerfall Österreichs Bd. 2, S. 165; O. Lorenz, Staatsmänner und Ge­schichtsschreiber des 19. Jahrh., S. 115. 27 Vgl. hiezu V. Bibi a. a. O. Bd. 2, S. 13; Srbik a. a. O. Bd. 2, S. 3; Stern a. a. O. Bd. 5, S. 64. 28 So deute ich die schwer verständlichen Eintragungen Melanie Metternichs in ihr Tagebuch vom 25. September und 5. Oktober 1851, veröffentlicht von H. Schütter, Aus Österreichs Vormärz, IV. Bd. Niederösterreich S. 120 u. 122. Vgl. hiezu Srbik a. a. O. Bd. 2, S. 590, Anm. 5 zu S. 187; vgl. auch Alexander Frei­herr v. Hübner, Ein Jahr meines Lebens S. 319 auf Grund mündlicher Mitteilung Metternichs 1851. — 29 Hübner a. a. O. 30 Hübner a. a. O.; Srbik a. a. O. Bd. 2, S. 288; Helfert, Geschichte Öster­reichs Bd. 3, S. 342; H. Schütter, Aus der Regierungszeit Kaiser Franz Josephs, S. 4, 5. — 31 Helfert a. a. O. Bd. 3, S. 343. — 32 Ebda S. 345; Schütter a. a. O. S. 7. 114

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