Historische Blätter 4. (1931)

Fritz Reinöhl: Aus dem Tagebuch der Erzherzogin Sophie

Eintragungen ab. Schiitters Werk kam nicht zum Abschluß E Im Vor­jahre übergab er seine Auszüge dem Herausgeber, wofür ihm auch an dieser Stelle aufs herzlichste gedankt sei. Die hohen Erwartungen, welche die Forschung auf dieses Tagebuch gerichtet hat, werden, dies sei gleich bemerkt, nicht befriedigt werden. Erzherzogin Sophie vertraute ihrem Tagebuch von politischen Ereignissen viel weniger an als sie wußte, vor allem tritt ihre eigene Beteiligung, wie noch dargetan wird, nahezu gar nicht oder nur dem Kundigen zwischen den Zeilen in Erscheinung. Ja, es läßt sich auch kein grundlegender Ge­danke, dem die Erzherzogin bei der Führung dieser Aufzeichnungen folgte, erkennen. Nebensächliches wird oft erwähnt, bedeutsame Ereig­nisse, wie z. B. die Entthronung der Habsburger durch die ungarische Revolution, übergangen. Das Tagebuch läßt die Erzherzogin als eine kluge Frau, die mit regster Aufmerksamkeit die politische Entwicklung verfolgt, erkennen. Sie war durchaus nicht liberal, sondern streng dynastisch gesinnt, mit Bedauern vermerkt sie am 15. März 1848 die Gewährung der Preßfreiheit, am 23. März die Proklamation Friedrich Wilhelms IV. mit ihren konsti­tutionellen Zugeständnissen, mit Schreck am 17. Mai die Konzessionen Piliersdorfs. Freudig begrüßt sie die Auflösung des Reichstages 1 2 und das Verfassungsgesetz vom 4. März 1849. Messenhauser ist ihr „un des fameux faiseurs“, Blum „un des plus grands et mauvais Wühler“ 3. ln Windischgrätz und Jellacic sieht sie die Retter der Dynastie4. Dieses dynastische Gefühl entbehrte nicht des religiösen Einschlages; mit den Worten „eine Obrigkeit muß sein und für den Einzelnen ist es ohne Zweifel ehrenvoller unter einem von Gott eingesetzten Herrscher zu stehen, als unter solchen, die ihre Wahl dem Zufall und der Willkür ver­danken“ hat sie einmal ihrer Anschauung von der göttlichen Quelle des Herrscherrechtes Ausdruck gegeben 5 *, einer Anschauung, die von ihr auf den Sohn Kaiser Franz Joseph über gegangen war. Die wahre Frömmig­keit dieser Frau, die mitunter einer romantischen Färbung nicht entbehrt 1 Herr Sektionschef Schiitter teilte mir mit, ;,daß er aus den Akten und Brief­schaften die Erkenntnis gewonnen habe, welch unheilvollen Einfluß Schwarzenberg auf den jungen, unerfahrenen Monarchen ausgeübt habe; aus Pietät gegenüber dem Verehrer Schwarzenbergs, Grafen Aehrenthal unterließ er daher die Abfassung des geplanten Werkes und beschränkte sich auf die Schilderung Österreichs im Vormärz“. 2 Vgl. auch die Eintragungen vom 10. XI. 1851. 3 1b. 16. XI. 1848. — * 1b. 13. III, 2. XII. 1848. 5 Zu Vitztum am 26. VI. 1850, s. Berlin und Wien i. d. Jahren 1845—1852, pol. Privatbriefe des damal. k. sächs. Legationssekretärs K. F. Grafen Vitztum zu Eckstädt S. 281. 110

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