Historische Blätter 4. (1931)

Herausgegeben von Josef Karl Mayr: Das Tagebuch des Polizeiministers Kempen. September bis Dezember 1859

mächern, darunter 26 zum eigenen Gebrauche des Ministers, übergeben werden solle, während sonstige Bedürfnisse an Lokalitäten durch teure Miete gedeckt werden müssen. 15. Dezember. Der Intendant des Fürsten Sulkowski Herr Juranek besuchte mich. Er verhehlte die üble Stimmung nicht, welche in Ungarn herrsche. Bei Arad habe man Panduren 118 organisiert, welche, von so­genannten Persekutoren geführt, zwar zur Ausforschung von Diebereien dienen, deren Erhaltung (aber) für die Gemeinden nicht nur kostspielig ist, sondern die auch sehr hohe Dienstspesen den Parteien berechnen. Die Gemeinde Pankota 119 zahle für die Panduren jährlich 4000 fl. und ein paar gestohlene Ochsen mußten mit 67 fl. ausgelöst werden. Auch Pfändungen wegen rückständiger Steuern geschehen mit absichtlicher Härte, um die Bevölkerung gegen die Regierung zu erbittern. Es unter­liege keinem Zweifel, daß auf dem Lande im geheimen Scharen nach dem Muster Noszlopis 120 sich organisieren. 17. Dezember. Abends kam der alte Rohmann 121 zu mir. Als Freund und Kommissär Hübners sind ihm ohne Zweifel alle dunklen Verzweigungen bekannt, welche die Ernennung desselben zum Polizei- minister sowie dessen Enthebung hievon bedecken. Doch äußerte er sich gegen mich heute mit Behutsamkeit. Vielleicht gelingt es mir in der Folge, ihn zum Sprechen zu bringen, und ich begnügte mich vorläufig, die nachfolgende Anschauung gläubig scheinend hinzunehmen. Bach, seine Entfernung vom Ministerium des Innern als unvermeidlich vor sich sehend, angelte nach dem Botschafterposten zu Rom. Von dort aber mußte Hübner 122 und ich für diesen von der Leitung der Polizei ent­fernt werden. Dem Grafen Rechberg konvenierte diese Intrige, doch traf sie bald auch ihn, als er sah, wie das diplomatische Genie Hübners ihm gefährlich werden könne 123. Und so fiel dieser früher. Ich dachte mir hiezu, auch Rechberg wird bald vom Baume fallen. 18. Dezember. Um 11 Uhr besuchte mich Fml. Baron Kellner. Er schien Eynatten in Schutz zu nehmen und beschuldigte den Erzherzog Wil­118 Bewaffnete Garden ungarischer Edelleute. 119 Nordöstlich von Arad. 120 Der Führer einer Räuberbande, die zu Anfang der fünfziger Jahre in Ungarn ihr Unwesen trieb. 121 vgl. den 5. Oktober 1859. 122 Bis 4. Mai 1859 Botschafter in Paris und dann vorübergehend für Rom bestimmt. 123 Vgl. den 30. Oktober 1859. 103

Next

/
Oldalképek
Tartalom