Historische Blaetter 3. (1921-1922)
Friedrich Engel-Jánosi: Die Anfänge des Prinzen Eugen
Am 23. Juli 1683 traf in Paris die Nachricht ein, daß Ludwig Julius, dieser Bruder, den Folgen eines Sturzes vom Pferd in einem Gefecht gegen die Türken erlegen sei. Er hatte an jenem Tag mit wenigen die Ehre der kaiserlichen Fahnen gewahrt. Sein Regiment war ohne Kommandanten. Noch in der Nacht verließen Eugen und der ältere Conti, der Schwiegersohn Ludwigs XIV., in aller Heimlichkeit Paris, um' sich dem Kaiser gegen die Türken zur Verfügung zu stellen. Vor Wien lag damals das Schlachtfeld der Weltgeschichte. Ludwig empfand die Abreise der beiden Prinzen als persönliche Beleidigung; er erließ scharfe Befehle gegen sie. Einem Edelmann, der ihnen vom König nachgesandt wurde, gelang es, den Prinzen Conti zur Rückkehr nach Frankreich zu bestimmen. Es hat innere Glaubwürdigkeit, wenn ältere Darstellungen Eugen in diesem Augenblick zu seinem Begleiter sagen lassen, Conti könne nach Frankreich zurückkehren, was aber habe er dort zu erwarten, zu hoffen. In Wien glaubte er die Stelle seines Bruders zu erhalten. Und wenn er das Gefühl hatte, sich damit die Rückkehr nach Frankreich für immer zu versperren, man weiß, wie wenig er durch seine Abstammung Franzose war und daß er sich als Angehöriger der Herrsche rfamilie von Turin fühlte. Eugen war ohne Geld, Conti ermöglichte ihm die Fortsetzung der Reise; noch drei Edelleute hatten sich an ihn angeschlossen. In Regensburg empfing er Empfehlungsbriefe von seiner Mutter an den Kaiser und an Persönlichkeiten des Wiener Hofes. Von den Carignans, die ihn enterbt hatten, als er den geistlichen Beruf aufgegeben, erhielt er ähnliche Schreiben. In der zweiten Augusthälfte traf Eugen den Kaiser in Passau; Leopold war vor den Türken geflohen. Auch hier ist später vieles, ausgeschmückt worden; es gewährt Befriedigung, nachdem man sich rückwärts gewandt, prophezeien zu können. Das Regiment des Bruders, auf das Eugen gerechnet hatte, war bereits vergeben. So schloß er sich dem kaiserlichen Heer als Freiwilliger an. Zurück konnte ier nicht und wollte er nicht. Die Zukunft lag ihm hier offen, auf sich selbst gestellt, ohne Hemmungen, ohne Traditionen, ohne eine Gemeinschaft ; tout abandonné, wie er im Dezember dieses Jahres nach Turin schrieb, von allen Seiten verlassen.1 1 Literarische Notiz. Man wird leicht sehen, wie sehr ich dem Aufsatz Schultes „Die Jugend des Prinzen Eugen“, Mitteilungen des Institutes für österr. Geschichtsforschung Bd. 13, verpflichtet bin. Die Biographien aus dem 18. Jahrhundert sind für diese Zeit wertlos, die des 19. Jahrhunderts bringen nur wenig. Eine Zusammenstellung über die Mem.oirenliteratur aus der Zeit Ludwig XIV. gibt Heinecke, Die Persönlichkeit Ludwig XIV., Historische Studien, Bd. 125; Heigel in Münchner Sitzungsberichte 1901. Die übrige Literatur bei Lavisse, Histoire de la France 7/1 und 7/2. Einleitungs-