Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Ludwig Bittner: Ein Schiedsgerichtsvertrag aus dem 17. Jahrhundert

Ebnermassen sollen wir, Kayser Leopold, und wir, Churfürst Ferdinand Maria und unnser beeder Tlieil Underthanen ein Teil deß andern Feindt, Übelthätter und Verfolger in seinen Landen und Gebietten nicht aufhalten noch gestatten, sondern, wo die erkhündiget oder betretten werden, die­selben gefänglich annemben, rechtferttigen und, wie Recht ist, straffen lassen, also, in welchem Fiirstenthumb, Landt, Obrigkait und Gebiett solche Absager, Feindt und Beschädiger betretten werden, daß sy daselbsten angenomben und, wie sichs gebührt, gerechtferttiget und gestrafft werden sollen. Und solle solche Rechtferttigung und Vollziehung der Straff bemelter Absager, Feindt und Beschädiger in allweg auf deßienigen Cossten beschechen, da der oder die Thätter oder Feindt betretten, beklaget, angenomben oder verhafft werden.1 Und haben demnach darauf wir Kayser Leopold und wir Churfürst Ferdinand Maria zu Erhaltung gueter Ainigkeit und nachbarlichen Verstanndts für unns, unnser Erben und Nachkommen in oben und sonst offt benenten Churfürstenthumb und Landen und deroselben Underthanen und An- verwanten geredt und versprochen gereden und versprechen auch bey unnsern kayßerlichen Würden, chur- und fürstlichen Würden und Worthen dise neue Verainigung, Vergleich, Compromiss und Außtrag in allen iren Puncten, Begriff und Articuln stett, vesst und unverbrüchlich zu halten, darwider nicht zu sein, zu thuen, zu schaffen noch zu gestatten in kein Weiß noch Weeg, alles treulich und ohne Gefehrde. Zu Urkhundt dessen seindt zway gleich lauttende Brieff aufgerichtet und jedem Thaill einer zuegestelt, auch mit unserer beeden kayser- und chur­fürstlichen Sigillen mit aigener Handt besigelt, underzaichnet und bekräftiget worden. Der geben ist in mein Kaysers Leopoldts Haubt- und Residenz­statt Wien, den ersten Septembris sechzechenhundert und sibenzigsten. Leopold m. p. Ferdinandt Maria, Churfürst m. p. Rechten und dann zwischen beder Tail Unntherthonen nach den Lanndsgebreuchen Recht zu sprechen unnd zu urtaylen. (Siehe oben S. 436, Anm. 2). Wo auch in werender Rechtvertigunng und vor endtlichem Entscheid ainer oder mer aus den sechs Räten oder der Obman mit Tod abgeen würde, derselb oder dieselben sollen von der Parthei, so den oder dieselben verordennt het, von Stund an ersetzt, der Obman, alls obstet, widerumb mit dem Los erwölt unnd mit denselben wie anndern hie oben verordenten Räten und Obman gehalten werdenn. 1 Vgl. über diesen Artikel o. S. 434.

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