Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Ludwig Bittner: Ein Schiedsgerichtsvertrag aus dem 17. Jahrhundert

Anzahl zusamben khombene Räthe in der Guete nicht hingelegt werden khöndte, so sollen sodan von jenem Thail, so Forderungen und Ansprachen yu Laide unnd, wie sy Got am jüngsten Tag darumb Rede unnd Antwort geben wollen. (Siehe unten S. 438, Anm. 1). Darauf! sy alsdann der obvermellten uberschickten Klag unnd dem, so zu Gegenwere fürbracht wurdet, Richter unnd Verliörer sein sollen. Unnd so dy Sach von den Partheyen nach Notturfft furbracht, verhörtt, die notturftigen Kundschaft inbracht und zu Recht beschlossen wirdet, so sollen sy unns in einem Viertljar den negsten durch iren Rechtspruch enntscheiden, erkennen unnd sprechen einhellig oder durch den merem Thail, wes ain Thail dem anndern thun oder billich erlassen werden soll. Unnd was also durch iren einhelligen oder merem Thail Rechtspruch entscheiden, erkannt unnd gesprochen wirdet, dem sollen unnd wollen wir. alle unnser Erben, nachkommende Pfalltzgraven bey Rein unnd Herzoge in Bayrn fürstlich, getreulich unnd erwerklich, ungewaigert unnd an alle Außzuge nachkommen, volstrecken unnd halden. — 1535 April 22: Dieselben Räte sollen allen muglichen Vleis fürkheren, die erhebten Irrungen, Spenn und Zwitracht in der Guete hinzulegen unnd abzestellen. Wo aber solliches nit sein oder allso in der Guet hingelegt werden möchten, soll in des beschwärten oder clagennden Tail Macht sten, vor denselben sex Räten sein rechtliche Clag in Schriften gedupliert oder zwifach von Stund an auf denselben Tag furzubringen und zu thun, wellche Clag allßdann dieselben sechs Rate dem beklagten Tail zueschickhen. Derselb Beklagt solle auch darauf sein Antwort in Schrift den mergedachten Rüthen in Monadsfrist nach sollicber Uberschickhung auch dupliert zueschickhen, darauf der Clager auch sein Replickh unnd der Antwortter sein Gegenschrift allweg von Monadten zu Monadten in Schrift dupliert den sechs Räten zueschicken unnd damit gehallten werden solle, wie oben (in einem früheren Artikel des Vertrags, Faber a. a. 0. S. 425) mit der Clag unnd Antwort beschehen unnd an- getzaigt worden ist. Unnd so also von yedem Tail zwo Schriften, darinnen Clager unnd Anntworter all ir Gerechtigkait furwenden, beschehen, sollen die sechs Räte ainen Tag in ainem Monad nach der letzten Schriften an die Malstat, da die Sachen erstlich angefanngen worden ist, den Taylen zu muntlichem Beschluß setzen unnd benennen, darauf die Tail in aignen Personen oder durch ir volmechtig Anwällde er­scheinen unnd on verrer Aufziehen mündtlich beschließen, doch das in sollichem müntliehem Beschluß alle Neuemng unnd, was vormals in den eingelegten Schriften nit eingefuert worden, unnterlassen werde. Und so allso von beden Taylen beschlossen ist, sollen die sex Rät in ainem Monad nach sollicher Beschliessung abermalls an der erstn Malstat zusamenkomen unnd den Hanndl unnd alles Einkomen mit allem Vleiß erwegen unnd von Stund an zu unnd auf sollichem Tag zwischen den Tailen guetlich Hanndlung furnemen. Wo aber die Guetigkait bei den Tafln nit erhebt oder verfollgt werden wollt, alßdann sollen die sechs Räte allßpald auf denselben Termin und Tag den Hanndl und Irrungen, so für sy in Recht komén, mit Recht und Urtl entschaiden. Unnd, was allso durch die sechs Rate oder den merem Tail mit Recht und Urtail, wie hernach irer Pflicht halben Melldung beschicht, entschaiden unnd erkennt wierdet, das solle zu allen Taylen angenomen. volntzogen unnd gehallten unnd dawider nit gethan noch das ymannds zu thun gestattet werden, auch wider sollich rechtlich Erkanntnuß kain Tail weder Apelacion, Suplicacion, Reduction, in integrum Restitucion furnemen, erwerben oder auch wo dieselb aus aigner Bewegnuß zugelassen annemen oder gebrauchen. Es sollen auch die sechs Rät nit mer Schrift einzebringen zuelassen oder die Termin annderer Gestallt, dann hie oben gesetzt ist, zu erstreckhen oder zu veränndern Macht haben, sounder mit unnd in der Maß, wie oben gemelldet und inen zugelassen ist, verfam. Allayn im Fall, ob ainicher Tail zu Ausfuerunng seiner Gerechtigkait Zeugen laisten mueste, allßdann haben die sex Rät unnd Obmann Macht, iren Gerichtszwanng mit Urtl zu erstreckhen, solanng und vil, bis die Zeugen gehört oder zu hören, zustellen durch Compaßbrieve oder annder rechtlich Weise verfürt ist, doch das kain geverlicher Aufzug gesucht und zugelassen, sonnder allso furkomen, das alle Khuntschafften auf ainen Tag unnd Termin sovil muglich verhört unnd nach Eröffnung solcher Khunt­schafften yeder Parthei allayn ain ainige Schrillt auch in ainem Monads Frist nach ■Öffnung der Khuntschafften den sechs Räthen allermassen wie oben im rechtlichen Furbrinngen geordennt ist, zu beschickhen zugelassen werden. 437

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