Historische Blaetter 3. (1921-1922)
Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze
Wendung. Denn ähnlich wie die Eisenhändler der zwei Verlagsstätten den Hammergewerken Vorschüsse in Bargeld und unverzinsliche Darlehen zum Betriebe gaben, die Hammermeister des Innerberger Gebietes und die Vordernberger Rauheisenhändler wiederum und auch vielfach die Eisenverleger zu Steyr direkt die Radmeister auf diese Weise verlegten, erhielten auch die Leobener und Steyrer Eisenkaufleute von den Eisenhändlern in den Legorten Geld vorgeschossen. Als landesfürstlich privilegierte Legstätten galten im 16. Jahrhunderte für das Vordernberger Eisen Wien und Wiener-Neustadt, für den Innerberger Distrikt die Städte Enns, Linz, Wels und Freistadt in Österreich ob der Enns. Emmersdorf, Krems und Stein sowie Wien in Österreich unter der Enns. Ihr Kreis wurde im Jahre 1557 vom Landesfürsten, Kaiser Ferdinand I., noch beträchtlich vergrößert. Es ist gewiß kein Zufall, daß gerade jene Orte zu Eisenlegstätten gemacht worden sind, an denen seit langer Zeit eine landesfürstliche Mautstelle sich befand. Anderseits sind diese Hebestellen eben dort errichtet worden, wo der Warenzug am stärksten war und am leichtesten überschaut werden konnte. Während einerseits die landesfürstlichen Organe dafür sorgten, daß die Kaufleute in den Legstätten ihr Geld nach Steyr fließen ließen, waren sie auch auf die Hebung der heimischen Kleineisenindustrie bedacht und drangen auf Errichtung von Eisenkästen in Städten und Märkten, um den Kleinschmieden die nötigen Hämmerprodukte zu einem mäßigen Preise zu sichern. Im Leobener Bezirke, wo die Einzelbetriebe verblieben waren, konnte dasselbe Spiel, wie es im Eisenerzer Distrikte im 15. und 16. Jahrhunderte sich dargeboten hatte und beim kärntnerischen Hüttenberger Eisenbaue in noch krasseren Formen zutage getreten war, weiter fortgesetzt werden. Die wirtschaftlich schwächste Gruppe, die Radmeister, mußten sich ganz den Leobener Verlegern verschreiben, kamen um Radwerk, Haus und Hof, und neue Leute begannen den Betrieb, den sie von den Verlegern käuflich übernommen hatten. Wenig hatte bisher die Organisation der 14 Radgewerken gefruchtet, die schon im 15. Jahrhunderte gebildet worden war und die Gemeinsamkeit der Interessen zu verfechten gehabt hätte. Es war der landesfürstlichen Hilfsaktion von 1492 zu danken, daß wenigstens die Betriebe aufrecht erhalten worden sind.1 1 Dis Leobener Eisenhändler wurden damals zum Zwangsbetriebe der Radwerke genötigt. Die Drohung, daß bei eventueller Einstellung die Radwerke vom Landesfürsten betrieben würden, versagte nicht ihre Wirkung. Zur Entschuldigung der Eisenhändler sei angeführt, daß der Leobener Eisenhandel damals bergab geglitten war. Der landesfürstliche Wiederbelebungsversuch war von der richtigen Seite angepackt und lohnte sich: denn die Maßnahmen bezweckten einerseits die Sicherstellung des Absatzes für das Leobner Eisen (durch Ein-