Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze

handler überflügelten. Denn letztere durften von nun an nur mit Klein­eisenindustrieprodukten, besonders Messern, Handel treiben, wenn sie nicht durch glücklichen Zufall den Außenhandel der Gewerkschaft in die Hand bekamen, wie Luckner, Mittermayer, Schröffl, Matthäus Riß von Riesenfels und Elias von Seeau dies in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gelungen ist. Freilich, den größten Gewinn haben auch nicht die meisten Steyrer und Leobener Eisenhändler gezogen. Sie waren nur das Mittelglied in der Kette, die vom Gewerken zum Eisenhändler in den Legorten und zum fernen Großkaufmanne führte l. Der österreichische Eisenhandel hatte sich noch um die Mitte des 15. Jahrhunderts in bescheidenen Grenzen bewegt, wenn wir den Ver­gleich zum Export mit anderen Konsumartikeln, besonders mit Wein, ziehen. Unter den wenigen Großkaufleuten, die es zu dieser Zeit in Österreich gegeben hat, war einer der größten der Wiener Jorg Sefelder, der damals über 300.000 Messer nach Preßburg führte a. Ein wirklicher Eisengroßhandel konnte erst nach kaufmännischer Verwertung der technischen Neuerungen beginnen. Der Ausbau beim österreichischen Eisenwesen setzte zwar, wie schon gezeigt wurde, im 14. Jahrhunderte ein. Er ist aber erst im 16. Jahrhunderte für eine lange Zeit zu einem gewissen Abschlüsse gelangt, bis dann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Hochöfenbau begann, und im 19. Jahr­hunderte der technische Erfindungsgeist die alten Einrichtungen der Väter über den Haufen warf und auch die Menschen überrannte, denen ein Anpassungsvermögen an die neuen Errungenschaften versagt ge­blieben war. Auch hatten erst im 16. Jahrhunderte die Landstraßen- und Brückenbauten, die Flußregulierungen sowie die Erhaltung der Land- und Schiffwege im Erzberggebiete eine erhöhte Pflege gefunden. Es sei da nur an den kühnen, aus Tirol gebürtigen Wasserbaukünstler Gasteiger erinnert. Die Zahl der Schilfs- und Fuhrleute wuchs an und mit ihr auch die der Herberge- und Raststationen (Einkehrwirts­häuser). Aber nicht nur die Überschwemmungsgefahr wird eingedämmt. Auch die Feuersnot, die so oft die Städte und Märkte früher in Asche legte, wird jetzt zu verringern gesucht. Die städtischen Ratsmannen üben die Feuerpolizei und erlassen Feuerlöschordnungen, mahnend zur Vorsicht jeden Stadtbürger. Der ehrsame Bürgersmann aber war selbst bedacht, auch falls es ihm der gestrenge Stadtrat oder auch noch der 1 Vgl. A. v. Pantz, Die Gewerken a. a. G. 2 Vgl. Theodor Mayer, Der auswärtige Handel des Herzogtumes Österreich im Mittelalter. In den Forschungen zur inneren Geschichte Österreichs, heraus- cecehen von A. Donseh. 6 Heft dnnshrnck 100QV R 104

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