Historische Blaetter 3. (1921-1922)
Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze
Di« Hebung der Produktionsfähigkeit sowie nicht zuletzt auch die Ver* pflegungsschwierigkeiten der in Eisener z und Vordemberg rasch an gewachsenen Bevölkerung mögen eine große Rolle dabei gespielt haben. So hat die wirtschaftliche Notlage an Brennmaterial (Holzkohle) und sicherlich auch die an Proviant zu einem Umschwung in technischer Richtung geführt1. Wir sehen hier den Weg zum späteren Ausbaue der Proviantbezirke durch das Landesfürstentum (1490) vorgezeichnet. Schon im 14. Jahrhundert erfolgte die Getreide -und Fett(Schweineschmalz)ver- sorgung für die Berg- und Hüttenarbeiter des Erzberggebietes nicht mehr durch die nächste Umgebung allein, da Äcker und Viehstand der Gewerken und auch die bäuerliche Proviantbringung den Hunger der Arbeiterschaft nicht zu stillen vermochte. Schon damals waren weiter hergebrachte Lebensmittelzufuhren in dieses gebirgige und für den Feldfrüchtebau zu wenig ergiebige Terrain, in dem nicht allzuviele und nur kleinere Bauerngehöfte sich befanden, erforderlich gewesen. Das mit Eisenhandel und Kleineisenindustrie sich beschäftigende Bürgertum, das in den Städten und Märkten im Umkreise des Erzberges gesessen war, stellte sie in immer größer werdendem Ausmaße gegen Erhalt von Rohmaterial und von Halbfabrikaten bei. Diese bürgerlichen Handelsleute waren gleichfalls im Tauschhandel mit den Bauern ihrer Umgebung zu Getreide und sonstigen Viktualien gekommen; und zwar dünkt es uns wahrscheinlich, daß bei diesen Tauschgeschäften das Geld als Wertmesser der Objekte verwendet wurde. Die Bringung von Getreidevorräten auf den Wochenmarkt bedeutet aber schon eine stellenweise versuchte Regelung in der Getreidebelieferung. Von der Mitte des 15. Jahrhunderts herwärts bildete die Proviantbesehaffung bei dieser immer schwunghafter betriebenen Eisenindustrie geradezu die Lebensfrage für die Gewerken. Von diesem Gesichtswinkel aus betrachtet, ist auch das mächtige Anschwellen der Wochenmarktsprivilegien für Städte und Märkte im Erzbergumkreise vom 14. bis ins 16. Jahrhundert vollauf verständlich. Doch dürfen wir dabei nicht übersehen, daß die Verleihung von Wochenmarktfreiheiten damals im österreichischen Territorium schon ein viel geübter Brauch war, um eben der im Ansteigen sammen allgemein als Frumbwerk bezeichnet. Während die alten Hämmer wöchentlich nur 40 bis 50 Zentner Roheisen ausschmieden konnten, vermochten die welsehen Hämmer am Beginne des 16. Jahrhunderts fast das Doppelte zu leisten. Vgl. L. Bittner a. a. 0., S. 518 bis 521, sowie auch Alfons Müllner, Der Erzberg und seine kulturelle Bedeutung durch zwölf Jahrhunderte. In der österreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 61. Jahrg. (Wien 1913), S. 343 bis 345. 1 In ähnlicher Weise hat der Holzmangel in England im 18. Jahrhundert zur Herstellung des Roheisens mit Koks geführt. Der erste Versuch wurde jedoch von Deutschen unternommen. Vgl. Richard Ehrenberg, Große Vermögen. Ihre Ent-