Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze

noch in diese Zeit. In der Nähe der Stadttore saßen die Hufschmiede, oft kurzweg nur Schmiede geheißen, wie auf dem flachen Lande, wo sie als grundherrliche Leute noch viele Jahrhunderte hindurch vornehm­lich für ihren Grundherrn und dessen Hintersassen die meisten Eisen­arbeiten verrichtet haben. Der Bergbau auf Eisen war anfangs überhaupt nur als ein Annex der Schmelzhütte betrachtet worden. Im 15. Jahrhundert unter Friedrich V. war freilich die Zeit schon vorüber, in der der Landes^ fürst seinen landsässigen wie den reichsständischen Grundherren neue Schurfrechte auf Salz und Eisen bewilligteAuch setzte er sich für die Förderung der bestehenden Betriebe nur dann ein, wenn sie eine bedeu­tende Mehrung der landesfürstlichen Einkünfte darboten. Das traf beim steirischen Erzberg bei Eisenerz zu, welcher schon seit dem Ausgange des 12. Jahrhunderts den Mittelpunkt der österreichischen Eisen­gewinnung bildete. Der stets geldbedürftige Maximilian I. erklärte ihn darob zum landesfürstliohen Kammergute. Während es aber dem öster­reichischen Landesfürstentum in der zweiten Hälfte des 16. Jahr­hunderts gelungen ist, die gewerkschaftlichen Anteile des Idrianer Quecksilberbaues abzulösen, wiewohl es infolge seiner anhaltenden Geldknappheit zur Verpachtung derselben sich gezwungen sah2, ist die damals geplante Verstaatlichung des gesamten Roheisenhandels — wohl kaum zum Schaden der österreichischen Volkswirtschaft — Projekt geblieben, obwohl das österreichische Eisen schon längst viele Proben seiner Marktreife glänzend bestanden hatte. Die österreichischen Ter­ritorialherren hatten die günstige Zeit des Ankaufes, die meines Er­achtens noch um die Wende des 14. zum 15. Jahrhundert bestanden hätte, hier verpaßt; die Realteilung der österreichischen Länder nach dem Neuberger Vertrage (1379) hätte allerdings eine solche Idee kaum Keime treiben lassen, und später mußte sich das Landesfürstentum be­scheiden, über die Verwaltung des Eisenwesens eine schärfere Kon­trolle zu führen, vor allem um aus den errichteten Eisenmauten und -zollen ein höheres Kammergefälle zu ziehen. Dazu gehörte auch die Frone, die jeder Radmeister bei der Abwage seines erzeugten Roheisens an den Landesfürsten zu entrichten hatte. Ursprünglich eine Natural­1 Einige Ausnahmen von der Regel sind freilich noch später vorgekommen. So wird im Juni 1549 dem Peter Mannal aus Primőr und seinen Mitverwandten auf deren Gesuch und über Gutachten der tirolischen Regierung und Kammer sowie der niederösterreichischen Kammer bewilligt, das Eisenbergwerk an der Transagna zu Primőr samt zwei Blahhütten und Hämmern auf 10 Jahne lang zu bauen und aufzurichten. Auch das dazu nötige Holz ihnen „auszuzaigen“ wurde der ober- österreichischen Regierung und Kammer befohlen. Hoffinanzindex und -protokoll­buch 1549, Expedit, f. 108 v im Wiener Hofkammerarchive. * Vgl. Heinrich v. Srbik, Der staatliche Exporthandel Österreichs von Leopold I. bis Maria Theresia (Wien und Leinzis-. 19071. S. 2 bis 3. 97 T }QQ

Next

/
Oldalképek
Tartalom