Historische Blaetter 3. (1921-1922)

A. Hessel: Die Politik König Albrechts I. Innerdeutsche Probleme und das Verhältnis zu Frankreich und Italien

Niederbayern und Eberhard von Württemberg beitraten. Albrecht zeigte sich zu wenig vorbereitet, um noch in diesem Jahre die Ansprüche seines Hauses auf das Erbe der Przemysliden mit Waffengewalt durch* setzen oder auch nur die im Osterlande erlittenen Verluste wieder aus- gleichen zu können. Seine Lage war unerfreulich, aber keineswegs kritisch. Verlor doch König Heinrich rasch die Sympathien seiner neuen Untertanen, mußte es außerdem dulden, daß feindliche Truppen Kärn­ten und Kradn großenteils besetzten. Während des Winters und Früh­jahrs rüstete Albrecht zu neuen militärischen Unternehmungen, da traf ihn am 1. Mai 1308 der Mordstahl. Als Albrecht vom Schauplatz abtrat, war sein Lebenswerk noch nicht vollendet. Dieser Umstand erschwert die Beurteilung seiner Wirk­samkeit. Aufgewachsen in den politischen Grundsätzen der damaligen Landes­fürsten, sah er in dem Königtum nur ein erhöhtes Herzogtum, das nach ähnlichen Grundsätzen zu verwalten sei wie jenes, in den Kurfürsten nur mächtigere Stände, die es, gleich denen der Territorien, zu unter­drücken galt. Ausdehnung der Hausmacht war sein Ziel; das Reich mochte die Kosten dafür tragen. So demütigte er sich noch tiefer als frühere Könige vor dem Papst, rief den eroberungslustigen Erich von Dänemark ins Land, enthielt sich jedes tatkräftigen Eingreifens in Italien und ließ vor allem die deutsche Westgrenze unbewacht, auch nachdem das Bündnis mit Frankreich aufgekündigt war. Ungestört durfte Philipp neue Reichsteile annektieren, noch erheblich weiter seine Einflußsphäre vorschieben. Zwischen Nordsee und Alpen und westlich des Rheins trat ein großer Teil der Fürsten in französische Lehns­abhängigkeit. Und Klemens V., der erste in der Reihe der avignonesi- schen Päpste, besetzte die dortigen Bistümer und Erzbistümer nach des Kapetingers Wunsche. Beim Tode Albrechts herrschte in den be­drohten Grenzgebieten allgemeine Unzufriedenheit, die in der Wahl des Nachfolgers, Heinrichs VII., beredten Ausdruck fand. Ja, die ganze Regierung des Luxemburgers mit ihrem Versuch, die alte Kaiserherrlichkeit wieder aufzurichten, bildete in gewissem Sinne die Reaktion auf die Politik des Vorgängers, von dem die Ideale der Vergangenheit so völlig außer acht gelassen wurden. Doch hätte er nicht bei längerem Leben das Versäumte nachgeholt? Wir besitzen An Zeichen dafür, daß Albrecht, wie auch sonst, nur des günstigen Zeit­punkts harrte, um die Grenzen seiner Tätigkeit weiter zu stecken. Während noch der Osten seine Kräfte völlig in Anspruch nahm, ver­handelte er mit dem Papste wegen des Römerzuges, suchte auch durch

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