Historische Blaetter 3. (1921-1922)
A. Hessel: Die Politik König Albrechts I. Innerdeutsche Probleme und das Verhältnis zu Frankreich und Italien
hing Albrecht viel mehr als Rudolf vom guten Willen des Papstes ab; denn Bonifaz allein konnte den Makel tilgen, der nun einmal seiner gewaltsamen Erhebung auf den Thron anhaftete. Die Vorteile also, die die Freundschaft der Kurie bot, waren nicht unerheblich. Und den geforderten Preis zahlte nicht Albrecht, vielmehr das Reich, dessen Interessen denen seines Hauses zu opfern er sich jetzt ebensowenig scheute wie vorher bei den Verhandlungen von Quatrevaux. Auch minderte jeder Schritt vorwärts auf dem Wege zur Erblichkeit der Krone das kurfürstliche Wahlrecht, schwächte demnach die Position gerade der erbittertsten Gegner des Königs. Doch Bonifaz verlangte auch reale Zugeständnisse. Albrecht sollte das Bündnis mit Philipp dem Schönen aufkündigen, der Kurie sein Schwert leihen, um den gallischen Stolz zu brechen. So wurde bei der feierlichen Ansprache vom 30. April betont, daß Frankreich dem Imperium untertan sei. Und einen Monat später versuchte ein Sendschreiben des Papstes, die deutschen Grenzgebiete gegen die Übergriffe des Nachbarn mobil zu machen und an die Seite ihres legitimen Herrschers zu rufen. Wieweit erfüllten sich nun Bonifazens Wünsche ? Die Allianz mit Philipp hatte — abgesehen von dem Unternehmen gegen Hennegau — ihre Früchte gezeitigt. Eine zuverlässige Chronik berichtet, daß an der Belagerung Bingens französische Truppen sich beteiligten. Dafür war von seiten Albrechts kein Widerspruch erhoben worden, als der Verbündete zum Schaden des Reiches seine Ausdehnungspolitik ohne Bedenken fortsetzte. So lagen die Dinge bis ins Frühjahr 1303; noch vom 20. Mai besitzen wir ein Zeugnis dafür, daß nach Philipps Auffassung das deutschfranzösische Bündnis offiziell fortbestand. Etwas später aber betrachtete er sich nicht länger an dasselbe gebunden. Dementsprach es, wenn Albrecht am 17. Juli ausdrücklich versicherte, er werde alle Verträge mit den Feinden der Kirche lösen, sie bekämpfen, auch die Rechte des Reiches in jeder Weise schützen. Doch es blieb bei dem Versprechen. Keine Vorbereitungen zu einem Feldzuge wurden getroffen, mit keiner Maßregel der Appell des Papstes an die westlichen Grenzprovinzen unterstützt. Und ehe noch die Kunde des Attentats von Anagni über die Alpen gedrungen sein konnte, begab sich Albrecht nach Österreich, dem er fünf Jahre hindurch fern geblieben war. Wir gelangen zum letzten Abschnitt in der Geschichte Albrechts. Der Schauplatz seiner Tätigkeit verschob sich vom Rhein nach dem Südosten. Der König nahm die Territorialpolitik wieder auf, die der Herzog einst verfolgt hatte. Erst von hier aus fällt ein helles Licht auf die politischen