Historische Blaetter 3. (1921-1922)

A. Hessel: Die Politik König Albrechts I. Innerdeutsche Probleme und das Verhältnis zu Frankreich und Italien

ihnen eingesetzten König auch fernerhin nach ihrem Willen zu leiten. So barg schon der gemeinsam errungene Sieg den Keim zu dem bald ausbrechenden Konflikte. Auf dem eben erwähnten Reichstage wurde der von Friedrich II. erlassene, von Rudolf erweiterte Landfrieden erneuert. Aber er zeigt gegenüber seiner Vorlage eine bemerkenswerte Abweichimg: wo hier vom Rat der Fürsten und Herren gesprochen wird, da dort allein von dem der Kurfürsten. Aller Wahrscheinlichkeit nach erfolgte zu Nürn­berg auch eine feierliche Verordnung über die kurfürstlichen Ehren­dienste, die dann später in die goldene Bulle überging. Beides, Erlaß und Textveränderung, kennzeichnen die gesteigerte Bedeutung des Wahlkollegiums, eine Folge der Ereignisse seit 1291. Und nun forderte dasselbe den ausbedungenen Lohn. Den drei Erzbischöfen mußte Albrecht ihre beherrschende Position an Rhein und Mosel garantieren, ferner den Besitz der Zölle, mit denen sie den Handel auf der Hauptverkehrsstraße des Reiches in Fesseln hielten. Ihrem Wunsche entsprachen offenbar auch einige städtefeindliche Zu­sätze zum Landfrieden. Im einzelnen erfuhren die Kirchenfürsten ver­schiedene Behandlung. So blieben des Königs Zugeständnisse an den Kölner, der bei der diesmaligen Wahl nur eine untergeordnete Rolle ge­spielt hatte, hinter denen Adolfs erheblich zurück, während dem eigent­lichen Leiter der Aktion von 1298, Gerhard von Mainz, sein Vorrang unter den Fürsten feierlich anerkannt, ferner die Ernennung des Hof­kanzlers übertragen wurde *. Immerhin kargte Albrecht auch bei ihm, soweit seine damalige Zwangslage es gestattete. Nur dem Böhmerkönig gegenüber kannte seine Freigebigkeit keine Grenzen. Hatte Adolf zu verhindern versucht, daß Wenzel sich jenseits des Erzgebirges aus­dehne, so verlieh ihm Albrecht das Generalvikariat über Meißen, Oster­und Pleißnerland, ließ ihm das Reichsgut Eger und förderte seine auf Erwerbung Polens gerichtete Politik. Dieses verschiedene Vorgehen in West und Ost berechtigt zu der Annahme, schon damals habe Albrecht sein Programm wenigstens in den allgemeinen Umrissen entworfen, das er später in so folgerichtiger Weise durchführte. Noch weniger als sein Vorgänger gesonnen, sich den Ansprüchen der Kurfürsten zu fügen, mußte er mit ihrer Feind­schaft rechnen. Adolf war dem Bund Böhmens und seines Anhangs mit den rheinischen Erzbischöfen erlegen. Um ähnlichen Gefahien zu be­gegnen, trennte der Habsburger beide Mächtegruppen durch verschie­dene Behandlung. Und indem er zunächst Wenzel begünstigte, er­1 Ein Recht, das er auch tatsächlich ausübte.

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