Historische Blaetter 2. (1921)

Josef Karl Mayr: Das politische Testament Karls V.

Di© Schlüsse, die «ich bezüglicli des Sukzessionsplanes ergaben, lassen sich aus weiteren Parallelstellen aller Art, die, aus gleichzeitigen oder gleichartigen Quellen herangeholt, Karls Stimmungen und Auffassungen über die verschiedensten Gegenstände seines Gesichtskreises wider­spiegeln, nicht unwesentlich ergänzen Wenn die Einleitung auf Karls wiederholt erörterte Abdankungs­absichten hinweist (vgl. S. 221), so entspricht dies durchaus den Tat­sachen. Karls erste Regungen dieser Art reichen nach Gachard1 2 und Mignet3 4 mindestens bis 1535 zurück; seine Ansprache vom 25. Oktober 1555 gibt ausdrücklich hierüber Rechenschaft: Johannas Krankheit habe ihn 1516 zur Übernahme der Regierung gezwungen; seine Unfähig­keit hiezu habe er schon längst erkannt, zur Abdankung aber bisher nie gelangen können \ Noch deutlicher hat sich Karl am 16. Jänner 1556 5 6 ausgesprochen: schon 1516 hätte er die weltliche Herrschaft mit dem Dienste Gottes vertauschen wollen; Ferdinands männlichen Leibes­erben sei sie zugedacht gewesen; als diese ausblieben, habe er selbst geheiratet und nach Philipps Geburt erst dessen Mannbarkeit abwarten müssen. So vorsichtig diese Beteuerungen auch bezüglich ihrer objektiven Richtigkeit aufzufassen sind, so charakteristisch sind sie doch für Karls Stimmungen dieser letzten Jahre. Eben im Sommer 1553 — ein zeitliches Zusammentreffen von wesentlicher Bedeutung (vgl. S. 238) — hatte er die Abdankung ernstlich vorbereitet: schon im April will er sich nach dem geplanten Sommerreichstag endgültig nach Spanien begeben; am 30. Juni schreibt er hierüber eigenhändig und unumwunden an Philipp“. Auch die Beweggründe der Abdankung (vgl. S. 222)7 kehren in diesen Ansprachen lückenlos wieder. Karls scharf betontes Pflichtgefühl 1 Wir halten uns dabei hauptsächlich an Karls Instruktionen für Philipp von 1539 (Weiß 1. c. 2, 542 ff.), 1543 (Maurenbrecher in Forsch, z. d. G. 3, 283 ff.: Morel-Fatios teilweise Neuausgabe im Bulletin Hispanique, Band 1 blieb uns leider unzugänglich; ebenso Laiglesias Edition der Instruktion vom 6. Mai in Estudios Historicos 1909), 1548 (Weiß 1. c. 3, 267 ff.) und seine Kom­mentarien von 1550 (Morel-Fatio, Historiographie de Charles-Quint 155ff.) — Vgl. auch W. Richter 1. c. 11 ff. = 1. c. 37 ff. 3 1. c. 6 ff. 4 Vgl. Gachard, Analectes belgiques 1, 87 ff. 5 Der Inhalt dieser Ansprache ist in der Handschrift 630 des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs erhalten. — Davon nächstens mehr. 6 Vgl. Gachard 1. c. 31 f.; Mignet 1. c. 69 f.; Turba 1. c. 237, 243, 245, 268. 1 Sie finden sich auch in der Instruktion Karls vom 19. September 1555 ver­wendet; vgl. Turba 1. c. 245 f. 0/4 1

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