Historische Blaetter 2. (1921)

Josef Karl Mayr: Das politische Testament Karls V.

meinen Situation, daß es unmöglich ist, sie für jüngere Nachträge zu halten. Das alte Textstück, von jüngeren Bildungen überwuchert, ver­schwindet mehr und mehr: in T noch deutlich erkennbar, hat es in I bereits einige Characteristica eingebüßt und ist in D fast vollends unter­getaucht. Mit T 81/1 schließt sich, bis T 81/2 reichend 1 der vierte Punkt des dritten Abschnittes (vgl. S. 227) an, der in einem Schwall von Einzel­heiten die sorgfältige Beachtung aller Gelegenheiten des eigenen und des feindlichen Territoriums anempfiehlta. Yon T 83/2—84/1 (gleich D 230, 3—17, und I 147—149) folgt ein Nachtrag, der die Anwendung von Kriegslisten (stratagemi) behandelt1 2 3, nicht ohne neuerdings auf einschlägige Studien in Karls Nachlaß hin­zuweisen 4, dem sich von T 84/2—85/3 (gleich D 230, 17—232, 11 und 1 149—152)5 * ein buntes Schluß resumé, ähnlich dem früheren (vgl. S. 226) aus Altem und Neuem systemlos zusammengewürfelt, anreiht0. Diesen Erörterungen allgemeineren Charakters schließen sich solche bestimmteren Inhaltes an. Zunächst über den Türkenkrieg7. Ein erster von T 85/4—86/2 reichender Abschnitt (gleich D 232, 12—233, 22, und I 152—157) hebt sich deutlich von seiner Umgebung ab. T bietet sicht­lich den ältesten Text. Die Religion, die allen weltlichen Dingen voran­gehen müsse — ein deutlicher Anklang an ähnliche Wendungen des Einganges (vgl. S. 222) — sei in Gefahr, der Krieg daher unvermeidlich; die Türken würden eher mit Philipp, denn mit Venedig anbinden; sie zu bekämpfen, sei, die Eintracht mit den österreichischen Fürsten voraus­gesetzt, erfahrungsgemäß die eigene Kraft am dienlichsten (vgl. S. 230). In dieser primären Fassung kann gegen diesen ersten Abschnitt kein Be­denken laut werden. 1 Gleich D 229, 14—230, 30 und I 143—145. 2 T 82/1 und 83/1 (gleich I 145—147; D schweigt dazu) wird der gleiche Ge­danke unter erneuter Häufung von Detaüs nochmals abgehandelt. 3 T 83/3 (gleich I 147 f.) verrät sich inhaltlich und durch die Lücke in D als jüngerer Einschub. * Nach I 149 wird Philipp hierüber a parte piena memoria, nach D 230, 16 f. mancherlei Art zusammengeschrieben vorflnden. r‘ Die Texte variieren stark; T scheint am wenigsten, I am meisten über­arbeitet zu sein, D die Mitte zu halten. “ Besonders charakteristisch ist das abfällige Urteil über Kavallerie- und Kriegsflotten — I nennt sie 152 cose senza ragione ed insensate —, das den früheren Ratschlägen über die Organisation der Seestreitkräfte (vgl. S. 228) gänz­lich widerspricht. Die Schlußwendung von I (152), die auf hinterlassene molte mie memoire verweist, nicht ohne zugleich auch auf istorie ed... altre opere a questa disciplina spettanti aufmerksam zu machen, und damit zu weiteren Erörterungen überleitet, erinnert an den früheren gleichartigen Kunstgriff (vgl. S. 228). 7 T 85/4—91/2; D 232, 12—237, 14; I 152—167; vgl. E. W. Mayer 1. e. 120, 471, Anm. 3, und 472, Anm. 1—3. 231

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